Nachhaltigkeitstag mit Tücken CookUOS: Pecha Kucha versalzt Uni Osnabrück die Suppe


Osnabrück. Zum dritten Mal hat die Osnabrücker Universität den „CookUOS-Nachhaltigkeitstag“ ausgerichtet und damit ein vielfach ausgezeichnetes Projekt gewürdigt, das Lehramtsstudenten auf hohem Niveau das Kochen beibringt. Weil viele Referenten eine besondere Vortragstechnik anwenden mussten, misslang die Veranstaltung.

Dass der Nachhaltigkeitstag von CookUOS unter einer Diskrepanz zwischen Schein und Sein leiden könnte, war schon bei der Lektüre des Programmhefts zu vermuten. Nach der obligatorischen Begrüßung sollte ein „Peka-Kucha mit Akteuren und Stakeholdern der BNE“ folgen. Auch für die meisten der geladenen Akademiker dürfte das Kauderwelsch gewesen sein, deshalb folgt an dieser Stelle die fällige Übersetzung und Einordnung.

20 Folien in 400 Sekunden

BNE bedeutet „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ – unter diesem Motto steht die sogenannte Weltdekade der Vereinten Nationen von 2005 bis 2014. Stakeholder sind Personen, die ein Interesse daran haben, wie sich ein bestimmtes Unternehmen oder eine Institution verhält. „Peka-Kucha“ schließlich gibt es nicht, gemeint war „Pecha Kucha“. Dahinter verbirgt sich eine Vortragstechnik, bei der die Referenten jeweils 20 Sekunden Zeit haben, um 20 Powerpoint-Folien zu präsentieren. Ein Vortrag dauert damit exakt 6 Minuten und 40 Sekunden, die gefürchteten Powerpoint-Exzesse sind nicht möglich.

Zumutung für Referenten

Wie sich beim CookUOS-Nachhaltigkeitstag wenig überraschend herausstellte, ist diese rigide Vorgabe für die meisten Referenten eine Zumutung. „Mann, ist das anstrengend!“, sagte Markus Taddicken von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BWG) am Ende seiner Redezeit. Unter dem Druck der erbarmungslos tickenden Uhr – nach 20 Sekunden kam automatisch die nächste Folie – verhaspelte sich Taddicken immer wieder. Der Erkenntnisgewinn für die Zuschauer war entsprechend gering.

Sichtlich mitgenommen und darum bemüht, die Erwartungen noch weiter herunterzuschrauben, trat anschließend die Uelzener Berufsschullehrerin Brigitte Glandorf ans Rednerpult. „Ich glaube, das kann ich nicht mehr toppen, obwohl ich viel geübt habe.“ Wie ihr Vorgänger zeigte auch sie auf ihren Folien ungeheuer viel Text, dabei soll die strenge Zeitvorgabe des Pecha Kucha die Referenten eigentlich dazu zwingen, sich auf Bilder zu beschränken und Stichpunkte nur homöopathisch einzusetzen.

Besser ohne Beschränkungen

Diese Grundregel ignorierte schließlich auch Uwe Neumann, Leiter von CookUOS – und damit für das Pecha-Kucha-Experiment verantwortlich. Neumann bemühte in seiner Vorstellung des Projekts die alte Reise-Metapher, machte sich dabei selbst zum Busfahrer und beschrieb die eigene Rolle mit dem folgenden Satz: „Der Busfahrer ist ganz entscheidend!“

Völlig ohne Beschränkungen reden durfte Swen Malte John, Sprecher der Lehreinheit Gesundheitswissenschaften, zu der das Projekt CookUOS gehört. John nutzte diese Freiheit zu einem beeindruckenden Kurzvortrag über die Bedeutung der Ernährung für die Verhinderung von Krankheiten. An sein eigenes Fach richtete der Medizinprofessor schließlich eine sehr pointierte Kritik: „Das Thema Prävention haben wir leider jahrelang der ,Hörzu‘ überlassen.“

Ebenfalls frei von Restriktionen hielt schließlich der renommierte Erziehungswissenschaftler Gerhard de Haan einen Vortrag über das auf eine Laufzeit von fünf Jahren angelegte Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, die sogenannte Nachfolge-Agenda zur UN-Dekade.


„CookUOS“ ist ein Projekt der Osnabrücker Universität, das sich in erster Linie an Lehramtsstudenten richtet. In Blockseminaren hören die Teilnehmer zunächst den Vortrag eines Wissenschaftlers, kaufen danach auf dem Osnabrücker Markt ein, um schließlich unter Anleitung die regionalen und saisonalen Waren zuzubereiten. Ziel ist es, dass die zukünftigen Lehrer ihre Schüler vom Wert guten Essens überzeugen können. „CookUOS“ wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

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