Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

530.000 Euro eingespart Weniger Minderjährige in Heimen im Kreis Osnabrück

Von Regine Bruns und Jean-Charles Fays | 03.06.2016, 08:34 Uhr

Die Zahl der Minderjährigen in Heimen und betreuten Wohnformen ist im Landkreis Osnabrück in drei Jahren um rund sieben Prozent gesunken.

Das hat der Leiter des Fachdienstes Jugend, Rainer Diekmann, im Landkreis-Familienausschuss bekannt gegeben. Insbesondere durch den Rückgang der Zahlen im stationären und teilstationären Bereich von 614 Fällen in 2013 auf 574 Fälle in 2015 und nur noch 570 prognostizierte Fälle in 2016 konnte der Landkreis laut Diekmann rund 530000 Euro und damit 1,2 Prozent des Gesamtbudgets in Höhe von 42,6 Millionen Euro einsparen.

Fallzahlen sinken, Kosten pro Fall steigen

Allerdings wurde auch in den Jahren 2014 und 2015 jeweils das gesamte Sozialraumbudget nicht vollständig ausgeschöpft. Die Einsparungen lagen in etwa auf dem gleichen Niveau wie jetzt für 2016 prognostiziert. Die absoluten Zahlen des Sozialraumbudgets sind aber in diesem Zeitraum laut Landkreis gleichwohl gestiegen, da trotz Rückgang der Fallzahlen im stationären Bereich die Kosten pro Fall und Tag gestiegen sind.

Früchten der präventiven Jugendarbeit

Diekmann begründet die Einsparungen von etwa einer halben Million Euro gegenüber dem geplanten Gesamtbudget mit den Früchten der erfolgreichen, präventiven Jugendarbeit. Seit zehn Jahren baue der Landkreis die vorbeugenden Maßnahmen kontinuierlich aus. Dazu gehören Angebote für werdende Eltern über Angebote für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern bis hin zu Angeboten für Familien mit Kindern im Kindergarten und Grundschulalter.

Diekmann: „Anstieg von später eintretenden Reparaturbedarfen gebremst“

Durch die Vielzahl dieser Angebote und die Ausweitung der Kinderbetreuungsangebote von der Krippe und Tagespflege bis hin zum Kindergarten und der offenen Ganztagsschule ist es laut Diekmann schon jetzt gelungen, den ständigen Anstieg von später eintretenden „Reparaturbedarfen“ – also kostenintensiven Einzelhilfen zu bremsen oder zurückzufahren.

Flüchtlingssituation wird Auswirkungen auf das Jugendhilfebudget haben

Die Kosten für die stark zunehmende Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge wirkt sich nach Angaben des Landkreises nicht auf das Jugendhilfebudget aus, da die Kosten mit Ausnahme der eigenen Personalkosten des Landkreises vom Land Niedersachsen erstattet werden. Der Fachdienst Jugend geht aber sehr wohl davon aus, das die gesamte Flüchtlingssituation auch Auswirkung auf die Jugendhilfe und somit auch auf das Jugendhilfebudget haben wird. „Nur werden die Kosten sich erst nach einer gewissen zeitlichen Verzögerung nach der Zuweisung der Personen zum Landkreis Osnabrück abbilden lassen“, betont Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff auf Nachfrage.

Weiterführung aller Familienzentren im Landkreis

Außerdem beschloss der Jugend- und Familienausschuss die Weiterführung aller Familienzentren im Landkreis, die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege und die Fortschreibung des Jugendarbeit-Projekts „Jugendpower 2000 plus“. Der Ausschuss beschloss die Weiterführung der seit 2012 bestehenden 30 Familienzentren im Landkreis ab 2018 bis zunächst 2022. Zusätzlich stimmten sie für die Mitfinanzierung des Kinder- und Familienzentrums in Dissen, das ein anderes Konzept als die übrigen Zentren verfolgt. Auch der Gemeinde Glandorf versprachen sie eine Förderung, sollte sich die Gemeinde in Zukunft für die Einrichtung eines Familienzentrums entscheiden. Insgesamt stellt der Landkreis dafür ein Budget von rund 673000 Euro zur Verfügung.

Genügend Betreuungsplätze

Der Bericht und die Planung zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege bis 2021 wurden einstimmig angenommen. Aktuell und in Zukunft werde der Landkreis alle Bedarfe an Betreuungsangeboten decken können, erklärte Kreisjugendpfleger Andreas Merse. Im kommenden Kindergartenjahr 2016/2017 werde die Betreuungsquote der unter Dreijährigen von 27,7 auf 32,15 Prozent ansteigen, wobei die unter Einjährigen dabei kaum ins Gewicht fallen. Betrachte man nur die Altersgruppe der Ein- bis Zweijährigen liege die Quote schon bei 45,78 Prozent. „Kindertageseinrichtungen werden verstärkt als Bildungsstätten wahrgenommen“, so Merse. Auch wenn keine beruflichen Gründe vorliegen, ein Kind in die Betreuung zu geben, nutzen viele Eltern trotzdem das Angebot.

Betreuungsangebote in Melle stärker angenommen

Allerdings gebe es starke Unterschiede zwischen städtischem und ländlichem Raum: In den Landkreisen in räumlicher Nähe zu Osnabrück oder auch städtischen Räumen wie Melle würden die Betreuungsangebote weit stärker angenommen als auf dem Land.

Unerwartet steigende Geburtenzahlen

Aufgrund der unerwartet steigenden Geburtenzahlen in manchen Regionen des Landkreises werde man Krippenplätze stellenweise weiter ausbauen. Im Kindergartenbereich werden kaum Platzreduzierungen erwartet. Im Gegenteil: Mancherorts müssen hier ebenfalls zusätzliche Plätze geschaffen werden.

Zudem werde der Landkreis zukünftig einen stärkeren Fokus auf die Qualität der Kindertageseinrichtungen legen und gezielt Ganztagsangebot ausbauen, kündigte Merse an.

Jugendpower 2000 plus

Letzter Programmpunkt auf der Tagesordnung war das Jugendarbeit-Konzept „Jugendpower 2000 plus“, das die Grundlage für die (offene) Jugendarbeit in den Städten, Samtgemeinden und Gemeinden im Landkreis bildet. Das in die Jahre gekommene Konzept wurde aktualisiert und um Qualitätskriterien für die kommunale Jugendarbeit und -pflege erweitert.