Erste Bewohner kommen am 22. Dezember In zwei Wochen soll Osnabrücker Flüchtlingsheim fertig sein



Osnabrück. Es ist kaum zu glauben: Am kommenden Montag sollen die Umbauarbeiten des Klinikums am Natruper Holz zur neuen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes für Flüchtlinge abgeschlossen sein. Dann wird möbliert, sodass am 22. Dezember die ersten 158 Menschen dort einziehen können. Der Osnabrücker Rat hat am Dienstagabend geschlossen und einstimmig für die Einrichtung des Flüchtlingsheims gestimmt.

Rund 100 Handwerker sind auf den langen Fluren und in den ehemaligen Patientenzimmern auf den oberen Etagen tätig. Zum Ende der Woche werden immer mehr Mitarbeiter der Putzkolonne dort ihren Dienst antreten. Die Immobilie sei in einem außerordentlich guten Zustand, freute sich Philipp Wedelich, Mitarbeiter des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius, am Dienstag bei einem Rundgang durch das ehemalige Krankenhaus.

Für die Nutzung als Flüchtlingshaus würden alle krankenhausspezifischen Gegenstände wie Notrufknöpfe entfernt oder stillgelegt. Die Fußböden werden komplett erneuert, die Wände gestrichen, die Brandschutzeinrichtung erneuert. Die Badezimmer sind gut ausgestattet und geräumig, da sie für ihre frühere Nutzung behindertengerecht gestaltet wurde.

Etliche der Zimmer haben Zugang zu einem Balkon. Auf jeder Etage bleiben zwei Teeküchen bestehen, in denen sich die neuen Bewohner selbst etwas zubereiten können. Es gibt sogar Gruppenräume, in denen Kinderbetreuung und erste Kurse zur sprachlichen und kulturellen Orientierung stattfinden können. „Hier gibt es eine perfekte Willkommenskultur“, sagt Wedelich.

Er ist überzeugt, davon, dass die ersten 158 Flüchtlinge, die am 22. Dezember nach Osnabrück kommen werden, in der Stadt freundlich aufgenommen werden. Sie werden zur Entlastung der drei bestehenden und stark überfüllten Erstaufnahmehäusern in die dann vierte Einrichtung überstellt.

Unterdessen bereitet sich das Diakonische Werk auf die Übernahme der Trägerschaft vor, die erst am Mittwoch vom Land beschlossen wird. „Wir stehen mit einem Fuß auf dem Gaspedal und mit dem anderen auf der Bremse“, beschreibt Pressesprecher Burkhard Teschner die Situation. Eigentlich müsste die Trägerschaft für eine solche Einrichtung europaweit ausgeschrieben werden, was angesichts der schnellen Entwicklung kaum möglich sei.

Bis März voll belegt

Eine Projektgruppe bereite sich auf die geplante Trägerschaft vor. Dazu gehören laut Teschner außer Vertretern des Diakonischen Werkes auch Angehörige des Kirchenkreises und des Diakoniewerkes. Jeder solle auf dem Gebiet eingesetzt werden, auf dem er die größten Erfahrungen hat, erläuterte Teschner.

So werde das Diakonische Werk Stadt und Landkreis Osnabrück für die soziale Arbeit und die innere und äußere Sicherheit des Hauses zuständig sein. Das Diakoniewerk mit seinen Erfahrungen mit stationären Angeboten wie Pflegeheimen und Jugendeinrichtungen werde die Verwaltung und die Küche übernehmen.

Da es angesichts der Kürze der Zeit kaum möglich ist, neue Mitarbeiter einzustellen, würden in den ersten Tagen voraussichtlich Mitarbeiter des Diakonischen Werkes und des Diakoniewerkes eingesetzt. Ab Januar würden dann die Stellen nach und nach besetzt. Bis zum März werde das 600 Plätze fassende Haus nach und nach belegt.

Laut Teschner stammen die meisten Menschen, die hier für ein paar Wochen leben werden, aus Afrika, Syrien und dem serbokroatischen Raum. Anstelle des sperrigen Begriffs Erstaufnahmeeinrichtung benutze die Diakonie das Wort Flüchtlingshaus.


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