Was Jungen und Mädchen ausmacht Osnabrückerin erforscht Geschlechterrollen von Kindern

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Für ihre Doktorarbeit im Forschungsfeld Frühpädagogik hat die Osnabrückerin Melanie Kubandt 14 Monate lang wöchentlich am Alltag einer Kita teilgenommen, mit den Kindern gespielt und gegessen. Dabei nahm sie Videos auf und schrieb Beobachtungsprotokolle, die nun ausgewertet werden. Foto: Hermann PentermannFür ihre Doktorarbeit im Forschungsfeld Frühpädagogik hat die Osnabrückerin Melanie Kubandt 14 Monate lang wöchentlich am Alltag einer Kita teilgenommen, mit den Kindern gespielt und gegessen. Dabei nahm sie Videos auf und schrieb Beobachtungsprotokolle, die nun ausgewertet werden. Foto: Hermann Pentermann

ng Osnabrück. Jungen und Mädchen sind unterschiedlich. Von klein auf werden sie verschiedenen Rollen zugewiesen und die Eigenschaften des Geschlechts gesellschaftlich und kulturell geprägt. Wie und warum, erforscht Diplom-Pädagogin Melanie Kubandt an der Universität Osnabrück.

Was bedeutet es eigentlich genau, Junge oder Mädchen zu sein? Welche Rolle spielen sexuelle Unterscheidungen bereits in den Kindertageseinrichtungen? Diese und andere Fragen stellt sich die 34-Jährige für ihre Doktorarbeit. Antworten sucht sie seit 2011 als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Erziehungswissenschaft im Fachgebiet Frühkindliche Bildung/Elementarpädagogik. Und seit 2010 in gleicher Funktion beim Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (Nifbe).

Der Streit um einen „geschlechtergerechten Umgang“ mit Kindern in der Frühpädagogik werde immer lauter, sagt Melanie Kubandt. Was das in der Kita vor Ort heißt und wie entsprechende Forderungen umgesetzt werden könnten, sei aber vielfach ungeklärt. Auch die Wissenschaft hinke der öffentlichen Debatte hinterher. „Hier setzt mein Projekt an“, erklärt die Doktorandin.

Hellblau oder rosa?

Spannend an der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema findet Melanie Kubandt vor allem, dass viele Alltagsweisheiten zu Geschlecht auf den Kopf gestellt würden. So gehe man zum Beispiel häufig davon aus, entweder als Mann oder als Frau geboren zu werden. In der Forschung bestimmten dagegen Theorien die Diskussion, die Geschlecht für ein Produkt von Gesellschaft und Kultur halten.

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Ein Beispiel sei die klassische Zuordnung der Farben Rosa und Hellblau: Während Rosa heute eher mit Weiblichkeit verbunden wird und Hellblau als Farbe für Jungen gilt, war die Bedeutung viele Jahrhunderte lang noch umgekehrt. Damals war Rosa oder das sogenannte „kleine Rot“ die Farbe der Jungen, da es für Blut, Kampf und Leidenschaft und damit für Männlichkeit stand. Hellblau oder „das kleine Blau“ war früher den Mädchen vorbehalten, da Blau in der christlichen Tradition die Farbe der Gottesmutter Maria war.

Feldstudie in der Kita

In ihrer eigenen Studie untersucht die Diplom-Pädagogin nun, wie Unterschiede zwischen den Geschlechtern hergestellt werden. Konkret: welche Eigenschaften mit Mann- und Frausein beziehungsweise Junge- und Mädchensein verknüpft und im Alltag bedeutsam gemacht werden.

Für ihre Doktorarbeit hat Melanie Kubandt 14 Monate lang wöchentlich am ganz normalen Alltag einer Kita teilgenommen, mit den Kindern gespielt und gegessen. Dabei nahm sie Videos auf und schrieb Beobachtungsprotokolle, die nun ausgewertet werden. Im Frühjahr 2015 will sie damit fertig sein. Eine Richtung zeichnet sich ab: „Erste Ergebnisse zeigen, dass gerade bei den Kindergartenkindern im Alter von drei bis sechs Jahren eine große Bandbreite verschiedener Konstruktionen herausgearbeitet werden kann, die die Kinder mit Geschlecht verknüpfen“, sagt Kubandt. Sie würden es vor allem dann zum Thema machen, wenn sich damit bestimmte Ziele verfolgen lassen.

Kinder mit Kalkül

Beim Fangenspielen etwa: Haschen Jungs die Mädchen, halten sie allein sich für stark. Bilden hingegen beide Geschlechter ein Team, würden Jungs diese Eigenschaft auch den Mädchen zusprechen. Kubandt: „Je nachdem, ob es die Spielposition stärkt oder schwächt, werden manchmal entweder geschlechtliche Unterschiede konstruiert oder Gemeinsamkeiten hergestellt.“

Erkenntnisse wie diese machten die Forschungsarbeit der 34-Jährigen wertvoll, erklärt Kubandts Doktorvater Hilmar Hoffmann. Denn das Geschlechter-Thema, so der Universitätsprofessor, genieße einen hohen Stellenwert in der Frühpädagogik. Die Dissertation zeige unter anderem, wie schwierig es ist, die Forderungen der Politik nach einem „geschlechtergerechten“ Umgang mit Kindern zu erfüllen. „Auf der Grundlage der Studie, die den aktuellen Stand in der Frühpädagogik beschreibt, können wir nach Wegen suchen, um den Ansprüchen gerecht zu werden.“


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