Stadt- und Ortsführungen (3) Die Sprichwörter-Tour mit der Stadtführergilde


Osnabrück. Wer bei einer Führung durch die Altstadt Osnabrücks etwas zum Schmunzeln habe möchte, der ist bei der „Das geht auf keine Kuhhaut! -Tour“ genau richtig. Dabei flechten die Mitarbeiter der Stadtführergilde Osnabrück bekannte Sprichwörter in ihre Vorträge über die Stadtgeschichte und erklären deren Ursprung. Aha-Momente sind garantiert.

Die neun aktiven Mitglieder der Stadtführergilde waren vor einigen Jahren auf der Suche nach einem lockeren, gute Laune machenden Thema. 2011 war sie dann geboren, die Idee zur Sprichwortführung. „Es gab da eine Inspiration aus Göttingen, dort existiert eine Führung in ähnlicher Art“, verrät Stadtführer Martin Junker. Zusammen mit den Stadtführergilde-Mitgliedern Stephanie Kuper und Renate Huzarski habe er dann in der Vorbereitung erst einmal zahlreiche Redewendungen gesammelt. Dann wurde deren Ursprung nachgegangen. „Zum Schluss mussten wir entscheiden, welche Redewendungen gut nach Osnabrück passen“, erklärt Junker die Entstehung der ausgefallenen Stadtführung.

Sehr kommunikativ

Dann schaut er auf die Uhr. Es wird Zeit. Martin Junker klemmt sich eine auffällige Lederrolle unter den Arm und öffnet die schwere Rathaustür. Draußen wartet eine neue Gruppe auf ihn. Zuerst werden die Teilnehmer über die Geschichte des Rathauses informiert, dessen Bau sich damals über fast 30 Jahre hingezogen hatte. „Das lag daran, dass Steinbauten im 16. Jahrhundert eine unglaublich teure Angelegenheit waren“, richtet sich Junker an seine Zuhörer und wirft die erste Redensart ein, denn nun passt der Begriff „steinreich“. Aufgelockert durch die ersten unterhaltsamen Erzählungen trauen sich Teilnehmer jetzt zu fragen, worauf der Stadtführer nur wartet: „Was ist das denn eigentlich für eine Rolle die Sie dabei haben?“. Es ist, wie sollte es auch bei einer Führung mit derartigem Titel anders sein, eine Kuhhaut, die nun Anlass gibt, den Hintergrund des dazugehörigen Sprichworts zu erklären.

Schnell merkt man: Es ist eine sehr kommunikative Stadtführung. Zu Sprichwörtern scheint jeder etwas sagen zu können, eben auch Leute, die sich mit der Stadtgeschichte nicht auskennen. „Wissen Sie denn auch, woher das Sprichwort ,Der führt nichts Gutes im Schilde‘ rührt?“, fragt ein Teilnehmer interessiert. Dieser Austausch zwischen Stadtführer und Teilnehmern mache die Tour laut Martin Junker einzigartig. „Jede Führung ist etwas anders“, weiß er aus Erfahrung.

Vor der Fassade des Romantikhotels Walhalla macht er die Gruppe auf ein hübsches Detail aufmerksam. So klein wie das Bild der Großmutter mit dem Teufel ist, so groß ist die Geschichte, die Junker dazu berichten kann. Dieses versteckte Wahrzeichen Osnabrücks, dessen früheres Original am Turm der Marienkirche angebracht war, mussten Handwerksgesellen auf der Walz abmalen, als Beweis dafür, dass sie in Osnabrück waren. Die Brücke ist geschickt geschlagen, nun ist die Gruppe gedanklich bei den Handwerksgesellen, und Junker erklärt warum diese üblicherweise einen silbernen Ohrring tragen und woher der Begriff „Schlitzohr“ kommt.

Durch die Heger Straße wandert die Gruppe auf das Heger Tor zu. Junker überrascht mit Gimmicks, die er aus seiner Tasche hervorholt, um auf weitere Redewendungen anzuspielen. In der Marienstraße und am Bürgerbrunnen erleben die Teilnehmer den Zapfenstreich und treten ins Fettnäpfchen, bevor sie am Ende schlau wie ein Fuchs zurück ans Rathaus kommen.


Die Stadtführung kann jederzeit auf Anfrage gebucht werden. Der Ablauf ist flexibel, bestimmte Stationen können je nach Interesse der Teilnehmer eingesetzt oder ausgelassen werden. Kosten pro Gruppe bis 20 Personen 78 Euro. Kontakt: Stadtführergilde Osnabrück, Telefon: 0541/ 4067473, info@stadtfuehrergilde-osnabrueck.de. Startpunkt der Führung ist die Treppe vor dem Osnabrücker Rathaus am Markt, Dauer: etwa eineinhalb Stunden.