236500 Euro jährlich weniger Weniger Geld für Bombenräumungen in Osnabrück

Die Zahl der jährlichen Bombenräumungen könnte sich in Zukunft reduzieren, wenn der Rat dem Vorschlag der Verwaltung folgt, in diesem Aufgabenfeld 236500 Euro jährlich einzusparen. Foto: Michael GründelDie Zahl der jährlichen Bombenräumungen könnte sich in Zukunft reduzieren, wenn der Rat dem Vorschlag der Verwaltung folgt, in diesem Aufgabenfeld 236500 Euro jährlich einzusparen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Rotstift geht durchs Land, er hat den Geldbeutel in der Hand. Einen Schluck aus der Sparpulle möchte Kämmerer Thomas Fillep im Fachbereich Bürger und Ordnung nehmen. Beim Thema Bombenräumung sollen ab 2015 236500 Euro jährlich gespart werden – eine explosive Idee.

Zur Vorgeschichte: Ende der 90er-Jahre startete das Land ein Programm zur systematischen Auswertung von Luftbildern zwecks der Suche nach Blindgängern . Das war praktisch, weil das Land für die Leistungen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes und anderer Fremdfirmen aufkam. Mit diesen milden Gaben war zum Ende des Jahres 2011 Schluss. Die Kampfmittelerkundung und -vermessung, die Sondierungsbohrungen und auch die Bergung gingen fortan zulasten der Kommunen.

Von der Sinnhaftigkeit der systematischen Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg überzeugt, beschloss der Rat der Stadt daraufhin, ab dem Haushalt 2012 jährlich 400000 Euro für Suche und Beseitigung der explosiven Hinterlassenschaften des Krieges auszugeben. Damit konnte die systematische Auswertung von Luftbildern im gewohnten Umfang fortgesetzt werden. Diese finanzielle Anstrengung hatte einen guten Grund: Vor allem die über Osnabrück von den britischen Streitkräften in großer Zahl abgeworfenen Bomben mit einem sogenannten Säurezünder werden mit zunehmendem Alter immer gefährlicher. Der Zündmechanismus der Blindgänger zersetzt sich, es kann zu unberechenbaren Selbstdetonationen kommen. Auch die Entschärfung selber wird mit zunehmendem Alter gefährlicher.

Etwa 100 Verdachtspunkte konnten bislang jährlich mit dem zur Verfügung stehenden Etat abgearbeitet werden. Die nun angedachte Kürzung um 236500 Euro würde diese Zahl auf etwas weniger als 50 reduzieren. War bislang geplant, bis zum Jahr 2040 die Stadt von den Altlasten des Krieges befreit zu haben, wird sich dieses Ende der Räumarbeiten wahrscheinlich um 15 Jahre auf das Jahr 2055 verlängern.

Für den zuständigen Verwaltungsvorstand Frank Otte ist diese Verschiebung kein Anlass zur Sorge. „Ich kann diese Entscheidung ruhigen Gewissens mittragen.“ Es sei in den letzten Jahren gelungen, große Fortschritte bei der Räumung zu erzielen. Mit der Kürzung würde die Stadt auf den Stand von vor Ende der 90er-Jahre zurückgehen, was aber völlig ausreichend sei. „Im Umkehrschluss würde das ja heißen, dass wir davor unverantwortlich gehandelt hätten“, so Otte. Letztendlich würde mit der Mittelkürzung nur die Geschwindigkeit der Räumung reduziert.

Im Zuge der Haushaltsberatungen wird nun die Politik sagen müssen, wie sie mit dieser explosiven Materie umgehen will.


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