Bürgerforum Westerberg Osnabrück will Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen


Osnabrück. Das Bürgerforum Westerberg am Mittwochabend könnte eines Tages als die Geburtsstunde einer neuen, humanitären Bürgerbewegung in die jüngere Geschichte der Friedensstadt eingehen.

Über 200 Zuhörer drängten sich in den Ratssitzungssaal, um mehr über die geplante Erstaufnahmeeinrichtung im ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus zu erfahren. Aber: Keine kritische Grundsatzdiskussion, keine Artikulation von Ängsten oder Vorbehalten gegenüber Fremdem. Alle Fragen kreisten um das Thema, wie den Menschen eine rasche Eingliederung ermöglicht werden könne.

Skepsis, ob dabei die Diakonie als Betreiberin der Erstaufnahmeeinrichtung die richtige Partnerin wäre, schwang in einigen Redebeiträgen mit. Sicher wäre es auch sinnvoll, muslimische Hilfseinrichtungen einzubeziehen. Diakonie-Geschäftsführer Hinrich Hake verwies darauf, dass ein hiesiger Betreiber auch „die örtlichen Strukturen“ nutzen könne, um ein Miteinander herzustellen und den Flüchtlingen die Eingewöhnung zu erleichtern.

Liveticker zum Nachlesen: Bürgerforum diskutiert über Flüchtlingslager in Osnabrück

Bahar Rezabakhsh vom Flüchtlingsreferat des Innenministeriums erläuterte, wie den Neuankömmlingen in einem einwöchigen „Wegweiserkursus“ Grundbegriffe der deutschen Sprache, Gesellschaft und Kultur vermittelt würden. Der Betreiber – sie nannte den Namen Diakonie nicht –werde die sozialpädagogische Betreuung sicherstellen. Das Land stelle hohe Ansprüche an den Betreiber– so hohe, dass private Anbieter, die nur auf den Profit schielten, gar nicht zu Zuge kommen könnten. Sie schloss auch aus, dass der Betreiber die Aufgabe an Subunternehmer weiterreichen könne.

Als Hubert Mertens aus der Mitte der Zuhörerschaft die Prognose wagte, Osnabrück werde die Menschen „mit Würde“ aufnehmen und ihnen ein „herzlichen Willkommen“ bieten, schwappte das erste Mal lauter Applaus durch den Saal. Mertens schlug vor, einen Betreuungsverein zu gründen, deren Mitglieder sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmern könnten. Eine junge Zuhörern sagte, sie empfinde es als „voll schön“, was bisher über die Willkommenskultur gesagt worden sei. Sie würde sich freuen, wenn Osnabrück über die 600 Menschen in der Erstaufnahme hinaus, weitere Flüchtlinge dezentral aufnehmen würde.

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Eine kritische Anmerkung gab es dann doch noch: Das Flüchtlingsheim werde gewiss zusätzlichen Verkehr anziehen – ein empfindliches Thema in diesem Stadtteil.


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