Zeitreise zur Hasestraße 62 Ende einer Ära: Osnabrücker Nachtclub „Parisiana“ schließt



Osnabrück. Aus nach 55 Jahren: Zum Jahresende gehen die (Rot-)Lichter im verruchten und zugleich traditionellen Osnabrücker Nachtclub „Parisiana“ an der Hasestraße 62 aus.

Wenn Pächterin „Cilly“ Rosemann in der Silvesternacht endgültig das Parisiana abschließen muss, wird ihr das sehr, sehr schwerfallen, sagt die Dame zeitlosen Alters.

Sie begann als 15-Jährige ihre Lehre bei Eklöh am Jürgensort, bediente dann im Eiscafé Opitz und arbeitete sich schließlich zum Café Panorama am Neumarkt hoch. Dort brachte sie den Schülern bei, wie man seine Tasche ordentlich abstellt, ohne dass sie der Bedienung im Wege ist. Manchen Sommer konnte man „Cilly“ als Laiendarstellerin auf der Waldbühne Kloster Oesede erleben. Ganz aktuell sieht man sie in einem Beitrag von os1.tv , wo sie Moderator Marcel Trocoli Castro und Musiker Tommy Schneller durchs „Parisiana“ führt.

Was kommt rein?

Für den Verpächter Rainer Klose gibt es indes keine Alternative: „Das Haus ist in die Jahre gekommen und bedarf gründlicher Renovierung“, sagt er. Für den Neon-Schriftzug und die Korbmarkisen, die noch den unverfälschten Charme der Fünfzigerjahre ausstrahlen, haben sich schon Liebhaber gemeldet. Die Wohnungen in den Obergeschossen sollen auf den neuesten Stand gebracht werden. Mitte 2015 wird im Erdgeschoss eine „Brasserie“ nach französischem Vorbild einziehen.

Lange Tradition in der Hasestraße 62

1959 kaufte der Getränkegroßhändler Karl Feldscher den schlichten Nachkriegsbau und richtete dort das „Tanz-Cabaret“ ein. „Für das prüde Osnabrück der Wiederaufbaujahre war das natürlich ein Hammer, und dann auch noch so dicht am Dombezirk“, erinnert sich der Feldscher-Geschäftsführer Rainer Klose. Von „Striptease“ habe man damals nicht gesprochen: „Das gab es nur in Hamburg auf der Reeperbahn. Wir nannten das ganz züchtig ‚Schönheitstanz‘. Allenfalls kam es zur Entblößung der Brust, mehr auf keinen Fall.“

Natürlich gebe es eine Fülle von Anekdoten aus 55 Jahren „Parisiana“, angefangen bei dem Klassiker, dass der Ehemann die Verzehr-Quittung in der Sakko-Tasche vergisst und die Ehefrau sie dort beim Bügeln findet, bis hin zu jenem stadtbekannten Edelmann, der regelmäßig direkt von der Treibjagd mit schmutzigen Gummistiefeln und Flinte hereingestapft kam und dann zum „Horrido“ blies. Insgesamt aber, so meint Klose, sei es noch zu früh, Derartiges aufzuschreiben, denn da könnte sich so manche angesehene Familie unangenehm berührt fühlen.

In der Abfolge der Pächter tauchen die Namen Hans Ackermann, Berthold Schulte und zuletzt Cäcilia Rosemann auf, die auf ihre Weise alle szenebekannte Originale waren beziehungsweise sind.


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