Totschlagprozess gegen Osnabrücker Minutenlanger Todeskampf mit 1,6 Promille im Blut

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Vor dem Landgericht Landshut gab ein Rechtsmediziner Auskunft darüber, unter welchen Umständen die Frau des Osnabrücker Angeklagten gewaltsam zu Tode kam. Foto: Renate SchmidtVor dem Landgericht Landshut gab ein Rechtsmediziner Auskunft darüber, unter welchen Umständen die Frau des Osnabrücker Angeklagten gewaltsam zu Tode kam. Foto: Renate Schmidt

temp Osnabrück/Landshut. Die mutmaßlich von ihrem zweiten Ehemann, einem Osnabrücker Frauenarzt, umgebrachte Brigitte B. war alkoholkrank und auch stark betrunken, als sie starb. Außerdem lieferte sie sich einen heftigen Kampf mit dem Täter. Das belegt ein rechtsmedizinisches Gutachten, das am zehnten Verhandlungstag im Totschlagprozess vor dem Landgericht Landshut präsentiert wurde.

Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, Brigitte B. am 3. Dezember 2013 im gemeinsamen Wohnhaus in Erding umgebracht zu haben. Ein Professor der Münchner Rechtsmedizin legte nun sehr konkret dar, wie das Opfer zunächst brutal zusammengeschlagen und schließlich erwürgt und erstickt worden ist. Ein weiteres klares Ergebnis seiner Untersuchungen: Die 60-Jährige war süchtig nach Alkohol und muss am Tag ihres Todes eine größere Menge Schnaps getrunken haben.

Von nichts gewusst

Der Angeklagte beteuert, mit dem gewaltsamen Tod seiner Frau nichts zu tun zu haben. Auch von ihrer Alkoholsucht will er bis zum 2. Dezember 2013 nichts gewusst haben. Er habe nicht einmal mitbekommen, dass sie jemals Spirituosen trank.

Der Gutachter begann seinen Vortrag mit einem versteckten Seitenhieb auf den Notarzt, der als einer der ersten Fachleute am Tatort war und irrigerweise als Todesursache einen unglücklichen Sturz im Bad vermutet hatte. Anhand der „Vielzahl der Blutergüsse, die man auf den ersten Blick sehen konnte“, hätte ihm sofort klar sein müssen, dass Brigitte B. Opfer einer Gewalttat geworden war, so der Rechtsmediziner.

Über 100 Blutergüsse

Bei der Obduktion der Leiche zählte er 35 Hämatome an Armen, Rumpf und Kopf, die größer waren als ein Ein-Euro-Stück, sowie weitere 80 kleinere Blutergüsse. Von den mehr als hundert Hämatomen seien „etwa ein Drittel durch Faustschläge bedingt“. Weiter gebe es zahlreiche blaue Flecken vor allem am linken Arm des Opfers, die durch Abwehrversuche zu erklären sein. Schließlich habe er reichlich Abdrücke an den Ober- und Unterarmen gefunden, die durch „kräftiges Zufassen“ entstanden sein müssen.

Sein erstes Fazit: Der Täter habe Brigitte B. von vorne angegriffen und übel verprügelt. „Das war schon ein sehr heftiges Geschehen.“ Das Opfer sei im Laufe dieser Auseinandersetzung ein- oder zweimal gestürzt, habe sich dabei eine Platzwunde am Kopf zugezogen und zwei Rippen gebrochen. Offensichtlich habe der Täter die Frau dann „durch Aufsitzen oder Knien“ fest auf den Boden gedrückt. Das bewiesen Blutergüsse an den Schultern.

Beim „zweiten Komplex von Gewalt“ habe er ihr „sehr, sehr kräftig“ Mund und Nase zugehalten und sie oberhalb des Kehlkopfs gewürgt. Es müsse etwa zehn Minuten gedauert haben, bis die Frau erstickt sei. Da sich die vorausgegangenen Schläge „schneller setzen lassen, als man glaubt“, dürfte die ganze Tat, vom ersten Angriff bis zum Tod, „etwa 15 bis 20 Minuten gedauert haben“.

Todeszeitpunkt offen

Während der Gutachter den Tatverlauf also recht genau rekonstruieren konnte, musste er bei der Bestimmung des Todeszeitpunkts zurückstecken. Dazu lasse sich nur sagen, dass Brigitte B. zwischen 12.35 Uhr – dem Zeitpunkt eines Telefonats mit ihrem Sohn – und 18.30 Uhr (spätestes Einsetzen der Totenstarre) ums Leben kam.

Umso klarer waren dann wieder die Ergebnisse zur krankhaften Trinkgewohnheit des Opfers. Untersuchungen der Leber und der Haare ließen laut Rechtsmedizin keinen Zweifel am dauerhaften Alkoholmissbrauch zu. Zum Todeszeitpunkt war Brigitte B. mit 1,6 Promille stark betrunken. Mittels Analysen und komplizierter Rechnungen wies der Gutachter konkret den übermäßigen Konsum von Obstbrand nach.


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