Geplatzter Vorschlag der SPD-Fraktion Mit 63 sollte Schluss sein mit Autofahren in Osnabrück

Ein Senior am Steuer seines Wagens. Immer wieder gibt es Vorstöße zur freiwilligen Abgabe des Führerscheins ab einem gewissen Alter. Foto: dpaEin Senior am Steuer seines Wagens. Immer wieder gibt es Vorstöße zur freiwilligen Abgabe des Führerscheins ab einem gewissen Alter. Foto: dpa

Osnabrück. Arbeiten bis 65, aber mit 63 den Führerschein abgeben? Was soll das denn? Nun, in Osnabrück hat es den Vorschlag schon mal gegeben. Das war im Jahr 1980, und die Idee verschwand ganz schnell wieder in der Versenkung.

50 ist das neue 30. Promis wie George Clooney und Brad Pitt, bei den Frauen Sandra Bullock und Michelle Obama zeigen, wie fit und jung Menschen nach Überschreiten des magischen Geburtstags sind. Wenn also 50 das neue 30 ist, dann wäre umgerechnet 63 das neue 43.

Zugegeben, das ist polemisch, weil vor 34 Jahren noch andere Bedingungen herrschten. Da galt für Frauen noch das Rentenalter von 60. Die Bundespost führte für Ortsgespräche den Acht-Minuten-Takt ein. Franz Josef Strauß konnte Helmut Schmidt als Bundeskanzler nicht ablösen. Die Grünen wurden gegründet. Ronald Reagan zog ins Weiße Haus ein. Die UdSSR marschierte in Afghanistan ein, was einen Boykott westlicher Länder der Olympischen Spiele in Moskau zur Folge hatte.

Und Walter Haas, Fraktionsvorsitzender der SPD im Osnabrücker Rat, verkündete im Februar eine Idee seiner Fraktion: freie Fahrt ohne Führerschein. Alle Bürgerinnen und Bürger, die das 63. Lebensjahr vollendet haben, sollten das Angebot bekommen, „nach eigener selbstkritischer Prüfung ihrer Fahrtüchtigkeit durch eine freiwillige und unwiderrufliche Abgabe ihrer Führerscheine der Klassen II und III auf eine Fahrerlaubnis zu verzichten und als Gegenleistung eine nicht übertragbare kostenlose Jahresnetzkarte für die öffentlichen Nahverkehrsmittel der Stadtwerke entgegenzunehmen“.

Mit dieser Aktion sollte älteren Mitbürgern der „Verzicht auf das Führen eines Kraftfahrzeugs“ erleichtert und ein Beitrag zur Sicherheit in der Stadt geleistet werden. Da mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer eine ständige Aufgabe sei, sollten auch außergewöhnliche Angebote gemacht werden, hieß es damals.

Haas schätzte, dass etwa 500 bis 600 Osnabrücker von diesem Angebot Gebrauch machen könnten. Der Antrag sollte im März im Rat verhandelt werden, verschwand dann aber in der Versenkung. 1998 gab es dann einen erneuten Vorstoß. Diesmal vom damaligen sozialdemokratischen Verkehrsminister Franz Müntefering: „Ich kann mir ein Höchstalter zum Fahren eines Autos vorstellen.“ Wenig später ruderte er zurück und sprach von einer „freiwilligen Selbstkontrolle“. Müntefering bekam heftigen Gegenwind. Alle paar Jahre wieder kommt aber eine andere Diskussion auf. Sollten sich Autofahrer ab einem gewissen Alter ärztlich auf ihre Fahrtüchtigkeit untersuchen lassen? In vielen anderen europäischen Ländern ist das inzwischen verpflichtend. In Deutschland gilt weiterhin: frei Fahrt mit Führerschein.


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