Organisation ist der Schlüssel Osnabrückerin Alexa Schenk ist Chefin und Mutter

Weder bei der Aufnahme des roten Fadens noch bei der Organisation von Beruf und Familie kommt Alexa Schenk ins Tüddeln.Foto: Swaantje HehmannWeder bei der Aufnahme des roten Fadens noch bei der Organisation von Beruf und Familie kommt Alexa Schenk ins Tüddeln.Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Auf dem großen Bildschirm an der Wand tapsen junge Eisbären über das Eis, und Seehunde gleiten lautlos durchs Wasser. Eine Verkäuferin stellt zwei Tassen frisch gebrühten Kaffee auf den Tisch. Und Alexa Schenk lehnt sich zufrieden in der gemütlichen Sitzecke zwischen Kleidern, Hosen und Kaschmirmänteln zurück. Es ist ruhig im Laden, und sie nimmt sich Zeit, um über ihr Leben als Unternehmerin und junge Mutter zu erzählen. Die 32-Jährige ist seit sechs Jahren die Chefin des Modehauses Holthaus. Sie führt das Geschäft in dritter Generation.

Wie sie es schafft, ihre Aufgaben als Unternehmerin und Mutter eines zweijährigen Sohnes unter einen Hut zu bringen? Darauf hat Alexa Schenk eine prompte Antwort: „Ich bin gut im Organisieren“, sagt sie selbstbewusst und fügt hinzu: „Und der Kleine ist sehr pflegeleicht.“ Welch ein Glück für sie. Ihr Sohn Otto war erst wenige Wochen alt, als sie ihn schon auf Geschäftsreisen mitnahm. „Ich hab mir den kleinen Mann gepackt und bin mit ihm auf die Messen gefahren“, erzählt sie lachend. Unterstützt wurde sie dabei von ihrer Einkäuferin, Sabine Becker. Die Mitarbeiterin musste während der anderthalbwöchigen Einkaufstour schon mal Pflegemutter spielen und dem Baby Muttermilch aus der Flasche geben, während ihre Chefin sich um die Order kümmerte.

Inzwischen ist Otto zwei Jahre alt, und Alexa Schenk teilt ihren Tag gut auf zwischen Geschäft und Kind. Vormittags ist sie im Laden, und der Nachmittag gehört ihrem Sohn. Für sie ist das so gut machbar, weil sie Mitarbeiterinnen hat, auf die sie sich hundertprozentig verlässt. Ihr Team ist für sie wie eine große Familie. Sie möchte, dass sich alle am Arbeitsplatz wohlfühlen, denn jede Mitarbeiterin verbringe hier mehr Zeit als zu Hause mit der eigenen Familie. Ihre Einkäuferin und rechte Hand im Geschäft, Sabine Becker, bestätigt die gute Arbeitsatmosphäre. „Wenn die Chefin etwas verändern will, dann holt sie alle mit ins Boot“, sagt sie, „sie fragt uns immer, was wir davon halten. Und sie nimmt selbst Kleinigkeiten wahr, die gut gemacht wurden, und lobt uns dafür.“

Mit diesem persönlichen und vertrauensvollen Umgang hat die junge Chefin dem Familienunternehmen den eigenen Stempel aufgedrückt. Das war auch ein Stück harte Arbeit. Als sie mit 26 Jahren frisch von der Uni kam, musste sie sich erst einmal als Chefin beweisen. Die Mitarbeiterinnen kannten sie zum Teil schon seit ihrer Kindheit und erlebten sie nun in einer neuen Rolle. Aber ihr Vater, so Alexa Schenk, habe voll hinter ihr gestanden, auch wenn sie mal Fehler gemacht habe. „Mein Vater war mein großes Vorbild“, schwärmt sie heute, „er war sehr ruhig und weise und immer da, wenn man Fragen hatte.“ Und nachdenklich fügt sie hinzu: „Ich habe sehr davon profitiert, dass mich mein Vater hat machen lassen.“

Dass sie einmal das Modehaus in dritter Generation führen würde, war gar nicht so selbstverständlich. Nach dem Abitur hatte sie noch keine Vorstellung davon, was sie einmal beruflich machen will. „Ich war immer zurückhaltend und schüchtern“, erzählt die 32-Jährige, „und ich hing noch am Rockzipfel meines Vaters.“ Das änderte sich dann überraschend schnell, als der Vater ihr riet, eine Zeit lang in die USA zu gehen und dort zu arbeiten. Schon drei Wochen später war sie in Kalifornien, ganz auf sich allein gestellt.

Mit damals noch schlechtem Englisch suchte sie sich Jobs als Ticketabreißerin in einem Aquarium, als Wäschebüglerin und Pferdetrainerin. Erst Monate später kehrte sie zurück. Erwachsen geworden.

Inzwischen liegen Ausbildung, Studium und mehrere längere Auslandsaufenhalte hinter ihr, und sie fühlt sich angekommen in ihrer Rolle.

Auf dem Bildschirm tummelt sich inzwischen eine Löwenfamilie, und Alexa Schenk schaut ihr einen Moment lang zu. Auch diese Filmecke war ihre Idee, wie sie am Schluss noch erklärt: „Wir zeigen hier Naturdokumentationen und servieren Kaffee, damit sich auch die Männer wohlfühlen, die ihre Frauen zum Einkaufen begleiten.“


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