Musikalischer Abstecher in die „Sixties“ Maren Kroymann beim Kabarettfestival in der Lagerhalle

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Hat es drauf: Maren Kroymann. Foto: Elvira PartonHat es drauf: Maren Kroymann. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Maren Kroymann war zu Gast beim Kabarettfestival. In der Osnabrücker Lagerhalle gab sie dem Publikum einen Einblick in ihre 1960er Jahre.

Die Frau hat’s einfach drauf. Wenn Maren Kroymann über die Bühne tänzelt, wenn sie sich lasziv auf einem Hocker rekelt oder im Zusammenspiel mit Gitarrist Ralf Lehmann ihr Mikro zur Luftgitarre umfunktioniert, wirkt sie wie das personifizierte Lebensgefühl der „Swinging Sixties“. Am Samstag begeisterte die in Berlin lebende Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin ihr Publikum in der Lagerhalle beim 25. Osnabrücker Kabarettfestival mit einer Extraportion 1960er-Feeling.

Dabei ließ sich der Titel ihres neuen musikalischen Programms „In My Sixties“ durchaus doppeldeutig verstehen – blickte die 1949 geborene „Mittsechzigerin“ Kroymann doch aufs Jubiläum ihrer „50 Jahre Pubertät“ zurück, wie sie augenzwinkernd meinte. Im Zusammenspiel mit Johannes Roloff (Klavier, Keyboard), Ralf Lehmann (Gitarre), Jürgen „Speedy“ Schäfer (Bass) und Immo Hofmann (Drums) von der „Jo Roloff Band“ bot die energiegeladene Blondine einen sehr persönlichen Blick ins Tübingen ihrer Jugend, als Frauenemanzipation nahezu unbekannt war und brave Mädchen aus Ratgebern lernten, „wie man aus alten Männerkrawatten ansprechende Umschläge für Kleiderbügel“ herstellt.

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Musikalisch geprägt vom Motown-Sound US-amerikanischer Girl-Groups wie der „Dixie Cups“, erlebte die junge Maren die „Entkoppelung von Leistung und Gemochtwerden“ oder überstand Liebeskummer mit den Songs ihrer Favoritin Dusty Springfield. Das Thema Coming-out kombinierte sie mit der Frage nach dem Zusammenhang von Lesbischsein und Brillenträgerinnen und schob das neckische Bekenntnis hinterher: „Ich bin kurzsichtig – und das ist auch gut so.“

Die Aversion der Feministin Kroymann gegen allzu bereitwillige Schlagerkost wie Ingrid Peters’ „Feigling“ wunderte da wenig. Ihre gesangliche Wandlungsfähigkeit bewies Kroymann wiederum mit so unterschiedlichen Songs wie Catherine Deneuves sinnlichem „Toi jamais“ oder dem Kinks-Klassiker „Sunny Afternoon“ oder „The Sun ain´t gonna shine anymore“ der Walker Brothers. Und Christian Anders’ Schmachtschlager „Geh nicht vorbei“ verpasste sie in ihrer Interpretation den passenden schmalzig-ironischen Touch. Mit dem Dusty-Springfield-Discokracher „In Private“, „Dedicated to the one I love“ der „Mamas and the Papas“ und dem Renate-Kern-Schlager „Alle Blumen brauchen Sonne“ beendete sie ihren zweistündigen furiosen Abstecher durch ihre ganz persönlichen „Sixties“.


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