Humorvolle Texte aus dem Alltag Kirsten Fuchs liest beim Kabarett-Festival in Osnabrück

Von Jan Kampmeier

Kirsten Fuchs, Lagerhalle, 29. November 2014Kirsten Fuchs, Lagerhalle, 29. November 2014

Osnabrück. Ihre Texte sind wunderbar originell, das Publikum in der Lagerhalle amüsiert sich prächtig über Kirsten Fuchs‘ Geschichten, die von Supermarktkassiererinnen bis hin zu fickenden Eltern reichen.

Kirsten Fuchs wirkt gar nicht wie eine Rampensau. Dennoch begreift sie selbst die Kassiererin im Supermarkt als „kleines Publikum“, also tritt sie vor ihr mit kleinen Geschichten auf, die ihre ungewöhnlichen Einkäufe erklären sollen – so lange, bis die Kassiererin sich irgendwann selbst Geschichten zu den Einkäufen ihrer Kunden ausdenkt und so das monotone „piep – piep“ der Kasse erträglicher wird. Schwer verständlich? Schon, aber mit dieser verschrobenen Geschichte konfrontiert Kirsten Fuchs ihr Publikum in der Lagerhalle auch gleich zu Beginn.

Bei ihrem Auftritt auf dem Kabarett-Festival liest sie aus ihrem aktuellen Buch: „Kaum macht man mal was falsch, ist das auch wieder nicht richtig“. Kleine, humorvolle Texte aus dem Alltag mit kreativen Wortschöpfungen wie etwa „Lärmgegenwind“. Mit dem kommt sie viel besser klar, weil ihre Ohren verstopft sind. Plötzlich bleibt sie bei Wutausbrüchen der kleinen Tochter ganz entspannt, auch mit dem Ehemann herrscht ein ungekannter Friede, und nicht einmal sein Schnarchen stört sie.

Einige Texte stammen aus einem älteren Buch oder sind noch gar nicht erschienen, wie zum Beispiel eine weihnachtliche Geschichte über Adventskalender. „Nicht lektoriert“, stellt sie beim Lesen fest, und ganz offenbar auch von ihr nicht vorbereitet, und dennoch bricht sie mit diesem ulkigen, an dritter oder vierter Stelle stehenden Text das Eis. Fortan hat sie leichtes Spiel.

Ohnehin ist Kirsten Fuchs ziemlich entspannt, trinkt nebenbei Bier aus der Flasche und bestellt auch gleich noch für ihr Publikum.

Es folgen Texte aus der „einteiligen Reihe Humoranalyse“, über „Superhelden aus der 2. Liga“ wie etwa Sprüchemann, der alle in Grund und Boden blubbert. Herrlich auch das Gespräch zwischen den zwei alten Frauen Erika und Heide. Kirsten Fuchs holt sich dafür Unterstützung: Norbert aus dem Publikum liest den Part der Heide großartig. Ihr Problem: Leider sind sie und ihr Mann kerngesund, haben sich aus lauter Verzweiflung darüber sogar beim Tischtennis angemeldet.

Ein weiterer Text heißt „Fickende Eltern“, wurde im Buch aber auf Wunsch des Verlags in „Sofasex“ umbenannt. Wie reagiert Kirsten Fuchs? Sie bietet Käufern des Buches an, den Titel handschriftlich wieder zu ändern.

Sie nimmt ohnehin kein Blatt vor den Mund. Mit ihrem Mann entwickelt sie in einer Geschichte eine Strategie zur Streitvermeidung: Nach einem Streit wird grundsätzlich gevögelt. Wenn man den anderen gerade gar nicht mag, streitet man also lieber nicht. Verblüffend einfach und doch originell.