Rapsongs aus der Zelle Reimworkshop im Osnabrücker Knast

Von David Hausfeld


Osnabrück. Rap direkt aus dem Gefängnis – der Musiker Jeffrey und Studierende der Hochschule Osnabrück machen es möglich. Ein Reimworkshop in der Osnabrücker Justizvollzugsanstalt eröffnete den Gefangenen Hip Hop als Musik, Lyrik, aber auch als Perspektive. Am Samstag findet ein Konzert in der JVA statt.

„Mein Leben hat sich durch Musik um 180 Grad gedreht“, erzählte Jeffrey, der mit bürgerlichen Namen Jeffrey Schmidt Laubinger heißt, den Workshopteilnehmern. Der Rapper begegnet den Insassen auf Augenhöhe: „Ich war nie im Knast, aber ich habe mich so gefühlt“. Er sei mit Gewalt groß geworden und habe auch selber gerne ausgeteilt, bevor er die Musik als Ventil entdeckte.

Heute versucht er, den Gefangenen der JVA, diese Botschaft mit auf den Weg zu geben. An zwei Terminen vermittelte er den Teilnehmern ein Gefühl für die Musik und leitete sie zum Textschreiben an, denn: „Es gibt nichts, was eine so starke Wirkung hat wie Worte“, ist sich der Musiker sicher. Das wurde sogleich getestet. Die Insassen bekamen die Aufgabe, sich an einem Rap-Text zum Thema „Liebe“ zu versuchen. Die Ergebnisse folgten in der zweiten Sitzung, vorgelesen oder direkt zum Beat gerappt.

Während ein Teilnehmer mit gekonnter Wortakrobatik ein klassisches Liebeslied an eine Frau performte, hatte ein junger Vater eine Ode an seine Kinder verfasst. „Ich bin Fan von Borussia Dortmund, die kann ich auch lieben, aber das ist ja nicht das, was gemeint ist“, diskutierte ein weiterer Gefangener die Vielschichtigkeit des Motivs.

Für die einen war es eine willkommene Abwechslung zum Knast-Alltag, für die anderen die Möglichkeit, neue Stärken zu entdecken. Vollzugsabteilungsleiter Volker Mertens zeigte sich beeindruckt von dem Engagement der Gefangenen. Einmal im Jahr kommen Studierende der Sozialen Arbeit mit einem Projekt in das Gefängnis. In Gruppentreffen wurden Plakate gestaltet und über Musik gesprochen. Höhepunkt ist das Konzert mit den Bands „Into The Wild“ und „Dazed Intuition“ sowie Jeffrey und Gäste.

„Da bin ich Feuer und Flamme, es war von vornhe rein klar, dass ich das mache!“ Der professionelle Rapper und Songschreiber ließ sich nicht zwei Mal bitten, ehrenamtlich einen zusätzlichen Teil des Projektes zu gestalten. Im Jugendzentrum Westwerk gibt er bereits Workshops rund ums Rappen und Texte schreiben.

Der Osnabrücker will etwas verändern und es deshalb auch nicht bei dem Workshop belassen. Ein nächster Schritt ist bereits in Planung. Auf Initiative seiner Schüler, will er die nötige Technik für eine Tonaufnahme in den Knast bringen, denn ein Ausflug ins Tonstudio sei laut Mertens ohne Weiteres nicht möglich.

Kommt in Osnabrück also bald eine CD der ersten Gefängnis-Rapper heraus? Das scheint zumindest nicht unmöglich. Gefängnis-Rap ist übrigens nicht zu verwechseln mit Gangster-Rap, denn „Gangster gibt es im Rap nicht“, weiß der Songschreiber.