Risikoreicher Eingriff im Januar 2015 Martje aus Osnabrück: Knochenmark als letzte Hoffnung

Von Rainer Lahmann-Lammert

Ihr Lachen entzückt: Aber Martje (links), hier mit ihrer Schwester Beeke, hat noch einen schweren Weg vor sich. Foto: Jörn MartensIhr Lachen entzückt: Aber Martje (links), hier mit ihrer Schwester Beeke, hat noch einen schweren Weg vor sich. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Unbefangen und fröhlich sieht Martje aus, trotz ihrer schweren Krankheit. Im Januar soll ihr das Knochenmark eines anderen Menschen transplantiert werden. Das klingt nach einer guten Nachricht. Aber damit hat die Sechsjährige das Schwierigste noch vor sich. Der Eingriff ist mit großen Risiken verbunden.

Nein, Martje hat keine Leukämie, wie viele Menschen glauben, aber ihr Leben ist bedroht, weil ihrem Knochenmark Stammzellen fehlen, die zur Blutbildung erforderlich sind. Für einige Wochen schien es, als könnte sie auch ohne Transplantation gesund werden. Ihre Thrombozytenwerte verbesserten sich. Langsam zwar und auf niedrigem Niveau, aber nach der monatelangen Anspannung schon ein Lichtblick für ihre Eltern. Doch seit dem 12. September ist das vorbei. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle für Familie Bloem. „Wir dachten schon, wir hätten es geschafft“, sagt Martjes Mutter. Sie ist in großer Sorge, weil die Werte wieder sinken.

Wenn das so bleibt, kann nur eine Knochenmarktransplantation das Leben der kleinen Patientin retten. Im Sommer, nach der großen Typisierungsaktion in der Heinrich-Schüren-Schule, hatte die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) schon zwei genetische Zwillinge ermittelt. Daran knüpfen sich große Hoffnungen für Martje und ihre Familie.

Aber so richtig freuen können sich die Eltern nicht. Von den Ärzten der Uni-Klinik in Münster wissen sie, dass eine Transplantation immer nur das letzte Mittel ist, wenn andere Therapien versagen. Ihnen wurde auch gesagt, dass es dabei eine gewisse Sterberate gibt, und dass manche Patienten die Monate danach nicht überleben.

„Man kann sich nicht wirklich vorstellen, wie furchtbar diese Zeit werden kann und welchen Ausgang sie nehmen kann“, dämpft Martjes Mutter, wenn andere Menschen ihre Freude über die erfolgreiche Suche nach einem potenziellen Knochenmarkspender ausdrücken. Gleichwohl ist sie dankbar für die große Anteilnahme, über die vielen hilfsbereiten Menschen, die an der Typisierung teilgenommen und für die DKMS gespendet haben.

Kein Immunsystem mehr

Für Martje hat das erste Schuljahr begonnen, aber in ihrer Klasse ist sie immer nur stundenweise. Und wenn eines der anderen Kinder eine Erkältung hat, bleibt sie vorsorglich zu Hause, denn ihr Immunsystem wird mit Blick auf die bevorstehende Transplantation mit Medikamenten lahmgelegt. Martje darf nicht fallen und sich nicht raufen, weil sich dann die Schläuche lösen könnten, die fast unsichtbar unter ihrer Haut verlegt wurden. Immer muss ein Erwachsener dabei sein, damit nichts passiert.

Den Fachunterricht bekommt Martje zu Hause, und wenn sie neue Buchstaben lernt wie aktuell das t, lernt ihre vierjährige Schwester Beeke mit. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander und haben Spaß dabei. Wer die Mädchen so ausgelassen lachen hört, mag kaum glauben, welch eine schwere Last ihre Familie zu tragen hat.

Nach der Knochenmarkspende

Einen schweren Weg geht auch der Osnabrücker Günter Frankenberg, der nach einer bösartigen Lympherkrankung im Juli eine Knochenmarkspende erhielt. Der 68-jährige Studiendirektor im Ruhestand hat zwar die Transplantation gut überstanden, aber sein Körper ist bislang nicht mit den Strapazen fertig geworden, wie es aus der Familie heißt. Nach Klinikaufenthalten in Köln und Münster wird er jetzt in einem Osnabrücker Krankenhaus behandelt. „Wir hoffen, dass es wieder bergauf geht“, sagt seine Frau.


Das Schicksal der sechsjährigen Martje hat eine riesige Welle der Solidarität ausgelöst. An der Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) im Juni ließen sich 3286 Menschen registrieren. Bei diversen Spendenaktionen kamen nach Auskunft der DKMS bisher 203000 Euro zusammen. „Es ist wunderbar zu sehen, wie groß die Hilfsbereitschaft ist“, sagt Stefanie Bräutigam von der DKMS dazu. Martjes Familie stammt aus Emden. Auch dort fanden Hilfsaktionen statt. 1135 potenzielle Knochenmarkspender ließen sich typisieren.