Wächter auf Augenhöhe Friedefrau Deutsch stellt im Kunsthaus 57 aus

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Ab Sonntag sind im Kunsthaus 57 in Osnabrück Werke von Friedefrau Deutsch zu sehen. Die Ausstellung wird um 15 Uhr eröffnet.

Am Sonntag kann sich der Besucher des Hauses Ernst-Weber-Straße 57 auf ein besonderes Kunsterlebnis freuen: Das Haus, das von außen wie ein ganz normales Reihenhausin einer Neubausiedlung aussieht, strotzt innen vor Kunst. Es ist das Haus von Sabine Witt und Norbert Placke, die hier ihrem Hobby frönen: Kunst sammeln. Am Sonntag ist dort traditionell der „Tag der offenen Tür“, außerdem eröffnet Friedefrau Deutsch eine Ausstellung.

Es ist ein Künstlername: Friedefrau Deutsch. Eigentlich heißt die Frau Inge König-Gausepohl. Aber weil der Name vor allem für Kunden aus dem Ausland so schwer auszusprechen war, änderte sie ihn. So jedenfalls geht die Mär. Das zweite Obergeschoss des „Kunsthaus 57“ hat sie für die kommenden Wochen zu ihrer persönlichen Galerie ernannt. Hier trifft man ab Sonntag auf ihre „Wächter“. Dabei handelt es sich um gemalte Figuren in Menschenformat,also ungefähr zwei Meter hoch, sodass man sich auf Augenhöhe begegnen kann. Auf Augenhöhe? Dafür braucht man Fantasie, denn diese Wächter haben kein Antlitz, also auch keine Augen. Automatisch gehen sie auf Distanz. Wie schon die anonymen Wächter der Unterwelt in den antiken Mythen. Auch andere Symbole legen die Vermutung nahe, dass es sich bei den Bildern um eine Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Tod handelt. Katzen und Vögel als Metapher für das Leben, Räder und ein Schiff für die Reise in die andere Welt, Knochen und Totenhemd für das Jenseits: ein Deutungsversuch.

Neben den Wächtern findet man ein ausgewachsenes Krokodil: als Holzschnitt. Sowohl Druckstöcke als auch Drucke zeugen von ungewöhnlicher Energie, fast roher Kraft. Dagegen wirken kleine Skulpturen geradezu poetisch: Da steht ein „komischer Vogel“ auf einem Podest, der sich aufplustert. Nicht ohne Grund gibt es auch Menschen, die sich aufplustern. Bei genauer Inspektion zeigt sich auch hier: Es war offenbar eine große Kraftanstrengung nötig, um diese Figuren aus massiven Eisenplatten auszuschneiden. Offenbar kein Problem für Friedefrau Deutsch.

In den unteren Etagen des Reihenhauses, dessen Wände von oben bis unten mit Kunstwerken gepflastert sind (auch im Bad und im Schlafzimmer!) gibt es Neues zu entdecken. Nachdem ein Galerist vor einigen Wochen beim Besuch des Kunsthauses in einen wahren Kaufrausch verfallen war, mussten Witt und Placke die entstandenen Lücken an den Wänden füllen und kauften neue Werke, unter anderem von Martin Wollmer, Heinz Tetzner und Alf Welski.

Tag der offenen Tür im Kunsthaus 57 (Ernst-Weber-Str. 57), Sonntag, 30. November, 11–18 Uhr. Eröffnung der Ausstellung mit Werken von Friedefrau Deutsch um 11 Uhr. Bis 11. Januar, Sa. 15–18 Uhr und nach tel. Vereinbarung (0541/99879506). Infos unter www.kunsthaus57.de