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27.11.2014, 17:37 Uhr KOLUMNE

Auf einen Glühwein mit Mirjam Rückert

Von Ulrike Schmidt

Eigentlich könnte Mirjam Rückert den Glühwein auch aus selbst hergestellten Bechern trinken. Foto: Jörn MartensEigentlich könnte Mirjam Rückert den Glühwein auch aus selbst hergestellten Bechern trinken. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Ihre farbenfrohe Keramik macht schon beim Anschauen gute Laune. Beim Anfassen fällt auf, dass sie erstaunlich leicht in der Hand liegen. „Darüber wundern sich viele“, lacht Mirjam Rückert.

Die Keramikerin aus Hasbergen-Gaste ist die erste Ausstellerin in der Wechselstube auf dem Weihnachtsmarkt. Am Platz des Westfälischen Friedens hat die Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH erstmals eine Bude angemietet, die in den kommenden vier Wochen sechs verschiedenen Kunsthandwerkern zur Verfügung steht. Damit sollen regionale Kunsthandwerker gefördert werden.

„Eine tollte Idee“, freut sich Mirjam Rückert. Für die ersten sechs Tage habe sie gerne zugesagt. Die Zeit könne sie sich freischaufeln, „denn schließlich kann ich während des Weihnachtsmarktes nicht in der Werkstatt arbeiten“. Zumindest nicht regelmäßig, denn am Abend nach dem Eröffnungstag war sie dann doch noch drei Stunden schöpferisch tätig.

„Ich liebe meine Arbeit und unterscheide nicht zwischen Arbeitszeit und Freizeit“, meint die Kunsthandwerkerin, die aus dem Westerwald stammt und die es der Liebe wegen in den Raum Osnabrück verschlagen hat. Mirjam Rückert hat Keramikerin gelernt und Keramikdesign studiert. Auch während der Ausbildung hatte sie immer eine eigene Werkstatt, in der sie ihre Kreationen entwarf und herstellte. Die Glasurtechnik für ihre Becher, Tassen, Teller, Vasen und vieles mehr hat sie selbst entwickelt. Jedes Stück ist ein Unikat, „hat einen eigenen Charakter“, wie Rückert sagt.

Erst wird gedreht, dann abgedreht, poliert und der Henkel drangezogen. Es folgt der Vorbrand bei 950 Grad, ehe sie die Glasurmalerei beginnt und Reliefs auf die Flächen aufträgt. Nach dem Eintauchen in die Glasur folgt der abschließende Brand bei 1100 Grad. Der ganze Prozess dauert Tage, für jeden einzelnen Becher braucht sie drei Stunden.

„Alles ist von mir selbst gemacht“, erzählt sie. Das hat seinen Preis, und deshalb kann sie auch keinen Rabatt gewähren, wenn jemand zwei Becher kauft: „Ich lebe von meiner Arbeit. Reich werden kann ich aber nicht.“

Auch beim Weihnachtsmarkt rechnet sie nicht damit, dass ihr Stand leer gekauft wird. Für Mirjam Rückert ist die Wechselstube „beste Werbung“. Sie freut sich darüber, dass ihre Keramik allen Altersgruppen der Weihnachtsmarktbummler gefällt.