Berufsschulzentrum Westerberg 40. Mineralien- und Fossilienbörse in Osnabrück

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Osnabrück. Glitzernde Kristalle in leuchtendem Gelb und zartem Rosa, außerirdisches Eisen, das in der irdischen Natur nicht vorkommt und Tierchen, die aussehen wie Aliens: Am Wochenende können sowohl Hobbysammler als auch Besucher ohne Vorkenntnisse wieder eine Reise in die Welt der Mineralien und Fossilien unternehmen.

Wäre es nicht in Stein eingebettet, würde es sich gut als Requisit für einen Men-in-Black-Film eignen: Was für Unkundige wie eine Mischung aus Schabe und Tausendfüßler aussieht, ist in Wirklichkeit ein Spinnentier, ein sogenannter Trilobit. Gelebt hat das kleine, mittlerweile versteinerte Wesen mit dem bulligen Kopf vor 350 bis 400 Millionen Jahren in Marokko. Am Wochenende ist es Teil der 40. Internationalen Mineralien- und Fossilienbörse im Berufsschulzentrum am Westerberg.

Hauptsächlich werden bei dieser jährlichen Börse Steine und Fossilien verkauft und bestimmt. Veranstalter sind die Osnabrücker Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie (VFMG), der Naturwissenschaftliche Verein Osnabrück und das Museum am Schölerberg. In diesem Jahr haben die beiden zusätzlich eine Ausstellung zum runden Geburtstag organisiert.

Neben dem Trilobiten wird dort auch ein Stück Sandstein aus einem Steinbruch am Piesberg gezeigt. Auf dem grobporigen, gelb-braun gestreiften Untergrund glitzern kleine, graubraune Kristalle - sogenannte Rauchquarze.

„So etwas findet man dort höchstens alle fünf bis zehn Jahre“, erklärt Angelika Leip- ner vom Museum am Schölerberg. Die 53-Jährige arbeitet im Museum als „Präparationstechnische Assistentin für Geowissenschaften“, beschäftigt sich also hauptberuflich mit Mineralien, Kristallen und versteinerten Tieren. „Ich habe eines von meinen Hobbies zum Beruf gemacht“, sagt Leipner, die gleichzeitig Mitglied im VFMG ist.

Als ein weiteres Ausstellungsstück hat der Verein einen schwarzer Stein mit einem gut sichtbaren Blattabdruck ausgewählt. Angelika Leipner zückt ihre Lupe. Das Blatt ist auch ohne Hilfe ganz gut zu erkennen. Aber die Wissenschaftlerin weist auf eine kleine Ausstülpung darunter. „Das ist eine Anthraconaia piesbergensis“, erläutert sie. Bei der Ausstülpung handelt es sich um eine kleine Muschel, die zum ersten Mal am Piesberg entdeckt wurde und dementsprechend den Berg im Namen trägt. „Ein Vereinsmitglied hat sie vor ein paar Jahren gefunden.“ 300 Millionen Jahre ist die kleine Muschel alt, etwas jünger als das bullige Spinnentier.

Damit die Tiere und Pflanzen versteinern, müssen sie schnell eingebettet werden, zum Beispiel in feinen Tonschlamm oder Sand, erklärt Angelika Leipner. Mal bleibt vom Ausgangsstoff etwas übrig und ist heute noch im Stein zu finden, mal bleibt nur der Abdruck wie beim Piesberger Farnblatt. Ein solches Exemplar ist schon für wenig Geld zu haben.

Finanziert wird die Mineralien- und Fossilienbörse über die Standmiete der rund 50 privaten und gewerblichen Verkäufer. Auf 180 Metern Länge werden deren Tische im Berufsschulzentrum stehen. „Heute hat noch jemand angerufen und gesagt, er wolle teilnehmen“, sagt Leipner lachend – fünf Tage vor der Eröffnung. Das gehe natürlich nicht. Die Auswahl der Aussteller sei längst abgeschlossen. Meist melden sich die ersten schon während der laufenden Börse fürs nächste Jahr an.

„Nach der Börse ist vor der Börse“, sagt Leipner und lächelt. Bei ihr und dem Vorsitzenden des VFMG, Henry Jehsert, laufen die Organisationsfäden zusammen. Wie lange sie das schon macht, weiß die 53-Jährige gar nicht mehr genau. Über zehn Jahre jedenfalls.

Jeweils in der zweiten Jahreshälfte nimmt die Arbeit zu. Dann muss Leipner Räume beantragen, Anzeigen in Fachzeitschriften schalten und zusammen mit den Vereinsmitgliedern „gute Aussteller“ auswählen. Angenommen wird ein Aussteller laut Angelika Leipner, wenn er „gutes Material und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat.“ Ein fester Stamm von etwa einem Dutzend Vereinsmitgliedern hilft beim reibungslosen Ablauf. „Man braucht ein richtiges Team im Hintergrund“, sagt Leipner.

Während der Börse muss vor allem der Infostand besetzt werden: Hier können Hobbysammler ihre Funde bestimmen lassen. „Da haben wir nicht so viel Pause“, sagt die 53-Jährige. Außergewöhnliches ist eher selten dabei. Die Ausstellungsstücke sind dagegen nicht nur international, sondern quasi interstellar. In der Sonderausstellung wird ein Objekt gezeigt, etwas größer als eine halbe Honigmelone, dessen spiegelnde Oberfläche unterbrochen ist von bernsteinfarbenem Material. Sein Gewicht steht in keinem Verhältnis zum Aussehen – der Stein ist so schwer wie mehrere Melonen. „Das liegt am Eisen. So reines Eisen kommt auf der Erde normalerweise nicht vor“, erklärt Angelika Leipner. Der Stein ist ein Meteorit und wurde in Chile gefunden. Er ist durchzogen vom leuchtend gelben Mineral Olivin. Ein solches Exemplar wäre schon etwas teurer, als ein Farnblattabdruck.

Wer ins Mineraliensammeln einsteigen will, kann aber auch schon mit geringem Einsatz Steine kaufen. Mit 50 Cent für kleine Exemplare gehe es bei der Börse los, sagt Leipner. Bis hin zu Zehntausenden Euros, zum Beispiel für besonders reine und seltene Edelsteine. Bei den Fossilien hängt der Preis mit der investierten Arbeit zusammen. Wenn es lange dauert, das versteinerte Tier vom umgebenden Stein zu befreien, kann es teuer werden. „Da können auch mal 1000 Arbeitsstunden drinstecken. Das bekommt man dann nicht für 3,50 Euro“, erklärt die geologische Präparatorin. Der kleine, bullige Trilobit ging zum Beispiel für rund 1000 Mark über den Verkaufstisch.


Die Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie, der Naturwissenschaftliche Verein Osnabrück und das Museum am Schölerberg veranstalten am Wochenende die 40. Internationale Mineralien- und Fossilienbörse. Sie findet am Samstag und Sonntag, 29. und 30. November im Berufsschulzentrum am Westerberg (Stüvestraße 35) jeweils von 10 bis 17 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Rund 50 Aussteller bieten Mineralien, Opale, Meteoriten und Fossilien an. Besucher können selbst gefundene Objekte an einem Informationsstand des Vereins bestimmen lassen. Eine Sonderausstellung zeigt Objekte aus 40 Börsenjahren. Kinder können an einem Suchspiel teilnehmen. Ein Team der Osnabrücker Werkstätten kümmert sich ums Essen.

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