Steakhouse am Breiten Gang In der Ranch gehen nach 41 Jahren die Lichter aus

Von Wolfgang Elbers

Seit 41 Jahren ist die „Ranch“ in Osnabrück eine traditionelle Anlaufstelle für hungrige Nachtschwärme. Damit ist ab Montag Schluss. Foto: Jörn MartensSeit 41 Jahren ist die „Ranch“ in Osnabrück eine traditionelle Anlaufstelle für hungrige Nachtschwärme. Damit ist ab Montag Schluss. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. So mancher Osnabrücker hat in der Ranch sein erstes Steak gegessen und dabei vorweg Brot mit Knoblauchmayonnaise und Schmalz serviert bekommen. Seit 41 Jahren ist das von rustikalem Western-Ambiente geprägte Restaurant am Breiten Gang in der Stadt ein Begriff und traditionell Anlaufstelle für hungrige Nachtschwärme. Damit ist ab Montag Schluss!

Der vor drei Monaten vom Amtsgericht eingesetzte Insolvenzverwalter schließt das Steakhouse Anfang Dezember, da die wirtschaftliche Perspektive fehlt. Es sei nicht gelungen, ein Rezept zu finden, um aus den roten Zahlen zu kommen. „Sehr bitter“, beschreibt eine der insgesamt knapp zehn Beschäftigten die Situation für Betreiber und Mitarbeiter.

Sie zählt seit mehr als 20 Jahren zum Service-Team. Der Koch brutzelt sogar schon seit 35 Jahren bis tief in die Nacht saftige Steaks in allen möglichen Variationen.

Udo Jürgens und Joe Cocker zu Gast

Bevor Sterne-Köche Gourmet-Qualität in Osnabrück etablierten, war die Ranch eine der ersten Adressen. Udo Jürgens zählte nach einem Konzert genauso zu den Gästen wie die Rock-Röhre Joe Cocker. Wenn anderswo die Küche schon längst kalt ist – in der Ranch gibt es dann immer noch kleine und große Leckereien von der Speisekarte. Das soll natürlich auch noch einmal für das finale Wochenende gelten.

Für dieses Alleinstellungsmerkmal stand die frühere Inhaberin Martha Seemann, der seit Ende der Achtziger auch die Immobilie Breiter Gang 5 gehörte. Im Sommer des vergangenen Jahres hat sie das Haus verkauft und sich vom Gastro-Betrieb verabschiedet. Seither führt ihr Bruder, der schon lange in der Ranch mitarbeitet, das Restaurant mit dem gleichen Engagement.

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Doch trotz nach wie vor zahlreicher Stammkunden: Das Geschäft ist in den vergangenen Jahren immer harter geworden. Während die Konkurrenz auf schickes Ambiente und spezielle Speisen-Angebote setzt, scheint die Zeit in der Ranch stehen geblieben zu sein. Nostalgie pur: rustikales Western-Ambiente mit einer Schwingtür wie in einem Western-Salon als Entree, Lagerfeueratmosphäre und Kuhfell auf dem Mobiliar – da würde sich auch der Mann aus der Marlboro-Werbung wohlfühlen. Alles ist fast noch so wie zur Eröffnung Anfang der Siebziger, nur eine Außenterrasse dazu gekommen.

Osnabrück verliert ein Markenzeichen

Auch die Karte hat sich kaum verändert. Neue Gäste zu gewinnen ist da nicht einfach. Die Ranch-Mannschaft hat lange durchgehalten, zwischenzeitlich auch Neuerungen wie geänderte Öffnungszeiten oder eine Mittagskarte. Alles ohne nachhaltigen Erfolg.

Wenn jetzt am Ende des Monats November das drei Monate von der Arbeitsagentur gezahlte Insolvenzgeld ausläuft, müsste der Weiterbetrieb des Lokals sich tragen und nicht für weitere Verluste sorgen. Der Insolvenzverwalter: ,,Auch wegen des Standorts konnte für das Westernkonzept des Restaurants keine Übernahmelösung gefunden werden. Nur vor allem mit Steak-Gerichten ist heute das Geld für so ein solches Angebot nicht zu verdienen.“

Nicht nur hungrige Nachtschwärmer werden das Ranch-Steakhouse künftig vermissen – Osnabrück verliert ein Markenzeichen.

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