Borgloher muss 50 Euro zahlen Parkplatz in Osnabrück wird zur Falle für verirrten Autofahrer

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Da schnappte die Falle zu: Wegen einer Baustellenumleitung verirrte sich ein 70-jähriger Rentner aus Borgloh auf den Parkplatz eines Fitness-Studios. Hinter seinem Auto schloss sich die Schranke wieder, und da saß er fest. Seinen fahrbaren Untersatz gab das Studio erst frei, als er 50 Euro bezahlt hatte.

Bernhard Niermann wollte gar nicht parken. Zusammen mit seiner Frau hatte er in Osnabrück Erledigungen gemacht und das Auto währenddessen in der Ledenhof-Tiefgarage abgestellt. Nun sollte es nach Hause gehen, über den Rosenplatz zurück nach Borgloh. Doch die Kommenderiestraße war gesperrt. Baustelle.

Das Ehepaar aus dem Landkreis hätte rechts abbiegen können in die Wiesenstraße. Aber da war noch ein Ausweg nach links, und da ging es um den halben Block an einem Rohbau vorbei zu einer Schranke. Die öffnete sich, als eine Frau mit dem Auto vorfuhr. Ohne lange zu überlegen schloss sich der Rentner an, weil er, wie er sagt, auf dem Parkplatz wenden wollte. Aber die Schranke blieb unten, und da saß er in der Falle. Bernhard Niermann, das Borgloher Urgestein, musste zum ersten Mal in seinem Leben ein Fitness-Studio betreten. Nichts da mit Bauch, Beine, Po: Feminin-Aktiv ist für Männer tabu. Und die beiden jungen Frauen am Tresen kannten kein Pardon. Den Chip für die Schranke gab es nur gegen Zahlung von 50 Euro. Nichts zu machen, Order von der Chefin.

Schmollend zahlte Bernhard Niermann und holte sein Auto vom Hof, bevor die Damen das Lösegeld verdoppeln oder verdreifachen konnten. Draußen entdeckte er schließlich das Schild, auf das sich die Trainerinnen berufen hatten, als sie ihm das Geld abnahmen: „Unbefugtes Parken ist untersagt. Wer diesen Parkraum dennoch unberechtigt nutzt, zahlt eine Parkgebühr von 50 Euro (tgl.)“.

„Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich da nicht draufgefahren“, sagt der Mercedesfahrer aus Borgloh jetzt. Aber auf seiner Irrfahrt über die Baustelle habe er den Hinweis gar nicht gesehen. Bernhard Niermann fühlt sich ungerecht behandelt. Es ärgert ihn, dass ihn diese kleine Unachtsamkeit so viel Geld kosten soll, und dass die Damen so wenig Verständnis für seine schwierige Situation aufbrachten.

Für das Team aus dem Fitness-Studio stellt sich das Malheur in einem ganz anderen Licht dar. Es sei ein Riesenproblem, dass da „immer wieder Leute parken, die da nichts zu suchen haben“, sagt Martina Wessel von der Studioverwaltung. Feminin-Aktiv habe den Parkplatz für die Kundinnen angemietet, aber zuweilen blockierten andere Autofahrer die wertvolle Stellfläche. Um das zu verhindern, werde die erhöhte Gebühr verlangt. Mit dem Ergebnis, dass die ertappten Falschparker „die tollsten Geschichten erzählen“. Und was den älteren Herrn aus Borgloh betrifft: Der sei nicht gerade durch ausgesuchte Höflichkeit aufgefallen, sondern eher durch Lautstärke, gibt Martina Wessel zu verstehen.

Die Inhaberin des Fitnessstudios, Sylvia Näschen, meldete sich am Donnerstag von einer Fortbildung in der Türkei: „Es tut mir Leid. dass der Herr in diese Situation geraten ist, aber die Situation ist zurzeit für alle Beteiligten sehr schwierig.“ Wegen der Baustelle herrsche ein ungeheurer Parkdruck. „Ich bitte um Verständnis, dass unsere Kunden Vorrang haben müssen“, sagte Näschen. Es gehe ihr nicht darum, zusätzliche Parkgebühren einzunehmen, sondern den Kunden den ihnen reservierten Parkraum zu sichern. „Deshalb haben wir auch die riesigen Schilder aufgestellt.“ Sie geht davon aus, dass sich Situation werde sich entspannt, wenn die Tiefgarage fertig ist.