33 Jahre eine Rohbau-Ruine Vom Wehrmachtslazarett zum Bundeswehrkrankenhaus

Von Wilfried Hinrichs


Osnabrück. Der Klinik-Standort am Natruper Holz ist eine Begleiterscheidung der Aufrüstung in Nazi-Deutschland. 33 Jahre, von 1939 bis 1972, war das Haus eine hässliche Rohbau-Ruine.

1936 muste die Stadt das Gelände am Natruper Holz dem Heeresbauamt abtreten, das hier den Grundstein für ein Lazarett legte. Als Hitler 1939 den Krieg begann, wurden die Arbeiten abrupt eingestellt. Eine gewaltige Rohbau-Ruine überdauerte den Krieg und die Nachkriegszeit. In den ersten Nachkriegsjahren fühlte sich keiner für den Rohbau zuständig. Ausgebombte richteten sich in den geschlossenen Winkeln notdürftig ein, andere nutzten den Bau als Steinbruch und schleppten alles an Baumaterial fort, was zu gebrauchen war. (Weiterlesen: Hier geht‘s zum Liveticker von der Pressekonferenz mit Boris Pistorius. )

Erst 1963 – acht Jahre nach Beginn der Wiederbewaffnung – signalisierte die Bundeswehr Interesse an dem Torso. Zwei weitere Jahre brauchte das Verteidigungsministerium noch – da hieß es plötzlich: In 14 Tagen beginnen die Bauarbeiten, um aus dem unvollendeten Wehrmachtslazarett ein modernes Bundeswehrkrankenhaus zu machen. 1972 nahmen die Stabsärzte der Bundeswehr ihren Dienst in dem Krankenhaus auf, das bei der Schlüsselübergabe als „europaweit einzigartig“ gelobt wurde. Einzigartig war vor allem der Bunker: Unter der Klinik erstreckt sich bis heute ein unterirdischer Schutzraum, in dem für 100 Betten Platz ist.

Von Anfang an wurde das Krankenhaus auch zivil genutzt. Ein Drittel der Betten standen externen Patienten zur Verfügung. Außerdem stellte die Bundeswehr einen Notarztwagen für die Notfallversorgung in Osnabrück. Der Wagen war einer von sechs Rettungswagen, die die Bundesrepublik extra für die Olympischen Spiele in München angeschafft hatte.

Schon zehn Jahre nach der Eröffnung flackerten erste Spekulationen auf, die Bundeswehr wolle sich von acht ihrer bundesweit zwölf Krankenhäuser trennen. 1984 erhielt Osnabrück eine Bestandsgarantie in Form einer Investitionszusage über knapp zehn Millionen Euro. Es entstand unter anderem eine Intensivstation.

1991 verkündete der damalige Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg dann doch das Aus für das Bundeswehrkrankenhaus Osnabrück. Knapp drei Jahre später rollten die letzten Soldaten die Fahne ein und übergaben der Stadt die Liegenschaft. Deren Wert war zu Beginn der Verkaufsverhandlungen auf 70 Millionen Mark geschätzt worden, die städtischen Kliniken kauften schließlich für 16 Millionen Mark und übernahmen auch die 181 zivile Mitarbeiter. In der Außenstelle des städtischen Klinikums entstanden eine geriatrische Abteilung und ein Zentrum zur Behandlung neurologischer Verletzungen.

Mitte November zogen die Abteilungen in das neue Zentrum für Geriatrie am Finkenhügel um Große Teile des Gebäudes stehen seither leer.