Flüchtlingsheim in Osnabrück Klinikum-Chef: Es kam alles sehr schnell

Das  Klinikum Am Natruper Holz soll Außenstelle der Landesaufnahmebehörde in Bramsche werden, 600 Flüchtlinge könnten in dem ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus untergebracht werden. Foto: Gert WestdörpDas Klinikum Am Natruper Holz soll Außenstelle der Landesaufnahmebehörde in Bramsche werden, 600 Flüchtlinge könnten in dem ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus untergebracht werden. Foto: Gert Westdörp

hin/S. Osnabrück. Das geplante Flüchtlingsheim im ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus im Natruper Holz stößt in der Politik auf ein positives Echo.

Die Erstaufnahmeeinrichtung werde die Stadt spürbar entlasten, versicherte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, da sie über die Erstaufnahme hinaus keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen müsse. Die Stadt hätte sonst in absehbarer Zeit auf Container und Zelte zurückgreifen müssen. Die Unterkünfte in der ehemaligen Briten-Kaserne in Atter stünden nur bis 2016 zur Verfügung.

In der ehemaligen Klinik stehen 7000 Quadratmeter für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung. Klinikum-Geschäftsführer Frans Blok äußerte sich „sehr froh“ über Erträge, die das Klinikum aus der Verpachtung der Liegenschaft erzielen kann. (Weiterlesen: Hier geht‘s zum Liveticker von der Pressekonferenz mit Boris Pistorius. )

Getrennte Eingänge

Nach Informationen unserer Zeitung liegen die Mieteinnahmen im Endstadium bei jährlich 800000 Euro. Das Klinikum stellt die Immobilie dem Land so zur Verfügung, wie sie sich zurzeit darstellt. Es muss also kein Geld für Umbauten oder weitergehende Investitionen in die Hand nehmen. Das wird Sache des Landes sein. Blok betonte, dass eine räumliche Trennung zwischen Flüchtlingswohnungen und den derzeitigen Nutzern des Hauses gewährleistet ist. Es würden getrennte Eingänge geschaffen und Verbindungen im Hause unterbrochen.

Die Aids-Ambulanz und die hauseigene Akademie sollen aber sobald wie möglich umziehen – wohin ist noch unklar. „Es kam alles sehr schnell“, sagte Blok. Teile des Klinik-Komplexes sind zurzeit an das Ameos-Krankenhaus und die Universität (Dermatologie) vermietet. Auch sie werden sich neue Räume außerhalb des Standortes suchen müssen.

Welche Nutzungsalternative hätte es für die Liegenschaft am Natruper Holz gegeben? „Abriss“, so die kurze Antwort Bloks.

Bevölkerung informieren

Die CDU findet den Vorschlag von Oberbürgermeister Griesert „gut“, wie Burkhard Jasper sagte. „Das Gebäude liegt nicht so abseits. Zudem hat Osnabrück schon gute Erfahrungen mit dem Durchgangslager für Aussiedler gemacht.“ Viele Osnabrücker seien hilfsbereit. Sicher werde es auch Befürchtungen geben. „Deshalb müssen wir die Bevölkerung informieren und im Gespräch bleiben. Ich bin sicher, dass Menschen in Not in der Friedensstadt gut aufgenommen werden.“

Frank Henning, Fraktionschef der SPD, beglückwünschte den Innenminister zu diesem Konzept. „Der Standort ist dafür gut geeignet, weil er nicht am Stadtrand liegt und gut erreichbar ist“, sagte Henning.

Nach Ansicht der Grünen ist eine Erstaufnahmeeinrichtung für die Kultur der Stadtgesellschaft gut geeignet. Das gelte auch für Lage und Qualität des Klinikums am Natruper Holz, sagte Fraktionschef Michael Hagedorn. Hagedorn: „Wir erwarten vom Land, dass es Versorgung, Betreuung und Schulungen anbietet für Menschen, die in Deutschland ankommen. Das alles sollte möglichst mit den Angeboten des städtischen Flüchtlingskonzeptes vernetzt werden.“

Mit der Entscheidung sei sicher Osnabrücks gutem Ruf beim Umgang mit Flüchtlingen Rechnung getragen worden, sagte Christopher Cheeseman (Linke). „Die Hilfsbereitschaft vieler Osnabrücker ist aber in diesem Fall schwieriger, weil die Menschen nur ein paar Wochen hier bleiben und kein persönlicher Kontakt aufgebaut werden kann.“

Stadtrat soll im Dezember entscheiden

Wulf-Siegmar Mierke (UWG/Piraten) äußerte die Hoffnung, „dass es in der Bevölkerung breite Zustimmung geben wird und die Einrichtung von den Kirchen und anderen Trägern unterstützt wird.“

Der Stadtrat soll in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 9. Dezember, über den Vertrag mit dem Land entscheiden. Am Mittwoch, 3. Dezember, wird Oberbürgermeister Griesert das Konzept im Bürgerforum Westerberg öffentlich vorstellen. Das Bürgerforum findet im Ratssitzungssaal statt.

Interview mit Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius zu der Entscheidung.