Interview mit Innenminister Pistorius: Flüchtlinge können sich freuen

Von Wilfried Hinrichs

Boris Pistorius.
              
              Foto: WestdörpBoris Pistorius. Foto: Westdörp

Osnabrück. Innenminister Boris Pistorius vertraut in der Flüchtlingsfrage auf die ausgeprägte Willkommenskultur in Osnabrück.

Herr Pistorius, Was hat für Osnabrück und das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus gesprochen?

Osnabrück ist eine echte Friedensstadt, das ist keine Phrase und auch kein Marketinggag, sondern gesellschaftlich gelebte Realität. Und das unterscheidet Osnabrück eben von den meisten anderen Städten. Viele Menschen engagieren sich hier gerne und schon seit Langem für diejenigen, die wirklich unseren Schutz brauchen, und das übrigens erst recht, seitdem immer mehr Flüchtlinge vor allem aus den Bürgerkriegsregionen in Syrien und dem Irak den Schutz hier bei uns in Deutschland suchen. Ich glaube, dass gerade die Flüchtlinge, die direkt aus den Kriegsgebieten hier nach Deutschland in die Erstaufnahmeeinrichtungen kommen, wo sie das Land erstmals kennenlernen, sich freuen können, wenn sie in eine so weltoffene Stadt wie Osnabrück kommen, in der Fremde eben nicht zunächst aufgrund dieser Fremdheit distanziert betrachtet werden, sondern vielmehr als Bereicherung herzlich aufgenommen werden. Das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus liegt nicht weit von der Stadtmitte und ist gut angebunden. Hier leben die Menschen, hier gibt es die nötige Infrastruktur. Es war nicht zuletzt auch relativ kurzfristig realisierbar, auch dank der Vertreter der Stadt, des staatlichen Baumanagements und des Klinikums, die alle intensiv an einer möglichst schnellen Lösung mitgearbeitet haben, wofür ich ihnen herzlich danke.

Sie kennen die Stadt und ihre Menschen: Wie wird Osnabrück mit dieser Aufgabe umgehen?

Ich glaube, dass insbesondere von den vielen privaten Initiativen, Vereinen und Wohlfahrtsverbänden starke Impulse für eine herzliche Aufnahme dieser Menschen, die ja bei uns in den allermeisten Fällen ihre allerersten Schritte außerhalb ihrer Heimat machen, ausgehen werden. Natürlich auch aus der Politik und Verwaltung. Die Flüchtlinge bleiben zwar nur wenige Wochen in der Erstaufnahme, aber was hier passiert, ist prägend. Es gibt Sprach- und Willkommenskurse, und es geht ganz allgemein um das Bild Deutschlands, das hier vermittelt wird. Diese Angebote sollen auch in der Osnabrücker Einrichtung gemacht werden.

Welche Bedeutung hat die Entscheidung für die Flüchtlingspolitik? Ist damit der Bedarf an Erstaufnahmeeinrichtungen im Land erfüllt, oder ist eine fünfte Einrichtung nötig?

Natürlich wird Osnabrück deutliche Entlastung bringen. Mit der neuen Außenstelle Hildesheim und dann noch Osnabrück erweitert das Land seine Kapazitäten nach dem jetzigen Stand der Planungen bis Ende 2015 um mindestens knapp 50 Prozent, basierend auf der bisherigen Kapazität von 1500 auf dann 2274. Die weltpolitische Lage ist, wie Sie wissen, sehr diffus. Deswegen prüfen wir schon jetzt alle Optionen für mögliche weitere Aufnahmestandorte des Landes.