MRT notabgeschaltet Osnabrück: Helium raus – Feuerwehr rein

Von Frank Wiebrock

Nach einem Defekt wurde ein ähnliches Gerät in der radiologischen Praxis „Drewes und Partner“ notabgeschaltet. Dazu wird das kühlende Helium aus dem Gerät abgeblasen, damit das Magnetfeld zusammenbricht.Foto: ImagoNach einem Defekt wurde ein ähnliches Gerät in der radiologischen Praxis „Drewes und Partner“ notabgeschaltet. Dazu wird das kühlende Helium aus dem Gerät abgeblasen, damit das Magnetfeld zusammenbricht.Foto: Imago

Osnabrück. Wenn es sein muss, geht es ganz schnell: Plastikabdeckung anheben, den Knopf für die Notabschaltung drücken, und schon wird das Helium im MRT durch ein Rohr nach draußen abgeblasen.

Bei ihrem Einsatz in der radiologischen Praxis „Drewes und Partner“ am Dienstagabend an der Möserstraße hatten die Feuerwehrleute es mit so einem Magnetresonanztomografen zu tun.

Die Warnschilder lassen keine Zweifel aufkommen, dass sie ernst gemeint sind: Menschen mit Herzschrittmacher, Defibrillatoren oder Insulinpumpen sollen sich von MRT-Geräten ebenso fernhalten wie Patienten mit Metallgegenständen am oder im Körper. Tätowierungen mit oft metallhaltigen Farben sind ebenfalls MRT-ungeeignet. Der Grund ist das extrem starke Magnetfeld, das die Geräte benötigen.

Und auch Feuerwehrleute sollten die Nähe des Gerätes meiden: Metallene Feuerlöscher würden ihnen wohl aus den Händen gerissen. Mindestens genauso problematisch sind andere Ausrüstungsteile: Neben der Axt seien oft auch die Flaschen für die Atemschutzgeräte aus magnetisierbarem Metall, erläutert Jan Südmersen von der Berufsfeuerwehr Osnabrück. Dazu kommen etliche Kleinteile vom Uniformknopf bis zum Nagel oder zur Nähnadel, die die Wehrleute möglicherweise bei sich haben. All das fühlt sich von dem gewaltigen Magneten im MRT unwiderstehlich angezogen.

Seit 30 Jahren gibt es die Kernspintomografie, die die Diagnostik revolutioniert hat: Die Geräte ermöglichen tiefe Einblicke in den Körper, ohne dass ein Arzt zum Skalpell greift.

Benötig werden dafür neben jeder Menge Elektronik und Computertechnik insbesondere ein Magnetfeld, das rund 20000-mal stärker ist als das der Erde. Das zu erzeugen ist nicht ganz einfach: Benutzt werden dazu Supraleiter, also Materialien, die beim Unterschreiten einer bestimmten Temperatur extrem leitend werden. Die Elektromagneten in einem MRT werden deshalb mit Helium tiefgekühlt.

Wird das flüssige Helium abgelassen, verliert die Spule im MRT-Gerät ihre Leitfähigkeit, das Magnetfeld bricht innerhalb von Minuten zusammen. Diesen Effekt benutzen die Geräte-Hersteller für die Notfallabschaltung. Der Fachbegriff für diese Notfall-Abschaltung ist „Quenchen.“ Der Begriff stammt aus der Chemie, wo er das schnelle Stoppen einer Reaktion bedeutet.

Für Dr. Andreas Frank von „Drewes und Partner“ war es das erste „Quenchen“ in seiner Laufbahn. Und gerne hat er es seinen Kollegen nicht geraten, auf den Notfall-Knopf zu drücken. Allein das erneute Hochfahren des MRT-Gerätes wird vier bis acht Stunden dauern. Und vorher muss das abgelassene Helium ergänzt und eine defekte Platine im MRT ersetzt werden. Die hatte den Feuerwehreinsatz ausgelöst.

Die gute Nachricht: Abgesehen von der abgerauchten Platine in dem MRT-Gerät und dem abgeblasenen Helium sei der Schaden überschaubar, erläutert „Drewes und Partner“-Geschäftsführer Andreas Kamphaus. Der Betrieb in der Praxis an der Möserstraße geht weiter, Patienten, die auf ein anderes Gerät umgebucht werden müssen, werden von der Praxis informiert.

Und die Schadenshöhe? Kamphaus lässt das offen. Gering sind die Folgekosten aber nicht: 2010 mussten sich Gerichte mit den Kosten einer MRT-Notabschaltung beschäftigen. Damals ging es um über 30000 Euro allein an Reparaturkosten.