Kooperation mit Ratsgymnasium Politikschüler bereiten Friedensgespräch vor

Von Christopher Bredow


Osnabrück. Das Friedensgespräch am kommenden Donnerstag in der Aula der Universität Osnabrück im Schloss steht vor einer Premiere: Zum ersten Mal wird ein Friedensgespräch in Kooperation mit einer Schule stattfinden. Zur Vorbereitung auf das Thema „Persönliche Freiheit und Sicherheit im Internet“ hat sich ein Politikkurs des Ratsgymnasiums Gedanken zum Ablauf der Debatte gemacht.

Am Dienstag probten die Politikschüler von Lehrer Holger Niehoff am Ratsgymnasium ihren Auftritt. Vier Schüler des Kurses werden zu Beginn der Debatte in das Thema einführen: Rahel Birkner, Dalal Ahmed und Darius Mewes stellen die Gäste vor. Zoë Holz übernimmt mit Arnulf von Scheliha, Theologe sowie Erziehungs- und Kulturwissenschaftler an der Uni Osnabrück, die Moderation des Gesprächs. Das Vorbereitungsteam aus dem Kurs umfasste elf Zwölftklässler.

Vortrag von Volker Lüdemann begeistert

Den Anstoß gab ein Vortrag von Volker Lüdemann im Politikkurs im März. Er ist Wirtschaftsjurist und Datenschutzexperte an der Hochschule Osnabrück und referierte zum Thema Datenschutz im Internet. „Herr Lüdemann hat uns über die rechtlichen Grundlagen informiert und die Widersprüche von Recht und Realität angesprochen“, sagt Rahel. „Das war faszinierend, auch wie er über die unbewusste Datensammlung überall im Leben gesprochen hat.“

„Begeistert“ von dem Vortrag des Juristen keimte in Lehrer Niehoff in Absprache mit Henning Buck, Geschäftsführer der Friedensgespräche, die Idee auf, den Politikkurs an der Vorbereitung des Friedensgesprächs am 27. November teilhaben zu lassen. Das Interesse der Schüler war groß, als erster Politikkurs bei den Friedensgesprächen mitzuwirken. Als Gäste lud er neben Lüdemann auch Markus Löning, Menschen- und Bürgerrechtsexperte, sowie Katharina Morik, Expertin für künstliche Intelligenz, zum Gespräch ins Schloss der Uni ein.

„Für uns ist das Thema Datenschutz wichtig, da wir täglich mit Medien zu tun haben und im Unterricht viel zu wenig aufgeklärt wird“, sagt Dalal. Die unbewusste Sammlung von Daten wie durch das „Internet der Dinge“, worüber Lüdemann den Kurs in seinem Vortrag informiert habe, fand Dalal interessant: „Das ist wirklich ein cooles Thema mit vielen unterschiedlichen Perspektiven“, sagt sie.

Selbst gedrehtes Video zum Einstieg

Zur Vorbereitung des Friedensgesprächs haben die Schüler ihre freie Zeit außerhalb der Schule genutzt. „Wir hatten eine intensive Vorbereitung, aber trotz des großen Zeitaufwands hat es viel Spaß gemacht, da uns viele Freiheiten gegeben wurden“, sagt Zoë. Ein Großteil der Arbeit ist in ein Video zum Thema „Spuren im Netz“ geflossen. Es soll den Einstieg in die Thematik am Donnerstag für die Zuschauer erleichtern. Das Drehbuch haben die Zwölftklässler selbst geschrieben und den Film mit ihrem Lehrer geschnitten. „Auch für mich war dieses Projekt außerhalb des strikten Lehrplans sehr interessant“, sagt Niehoff.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz im Internet hat die Schüler selbst nachdenklich über ihren Umgang mit persönlichen Daten gemacht. „Ich gehe jetzt definitiv bewusster mit meinen Daten um und bin vorsichtiger geworden“, sagt Dalal. Und Darius meldet sich ab jetzt immer von Facebook ab, wenn er es nicht nutzt: „Denn sonst wird nachverfolgt, was ich im Internet mache“, erklärt er.

Kooperation im Testlauf

Die Kooperation der Osnabrücker Friedensgespräche mit dem Ratsgymnasium ist vorerst im Testlauf. Sollte der Politikkurs des Ratsgymnasiums am Donnerstag überzeugen, ist eine Ausweitung der Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen, sagt Niehoff. Bei den Schülern steigt bereits die Nervosität und Vorfreude darauf, den Gästen ihre Ergebnisse aus den letzten Wochen zu präsentieren.

Das Osnabrücker Friedensgespräch zum Thema „Persönliche Freiheit und Sicherheit im Internet“ findet am kommenden Donnerstag, 27. November, ab 19 Uhr in der Aula der Universität Osnabrück im Schloss statt.