47-jähriger Schläger verurteilt Osnabrücker erleidet Schlaganfall bei Kneipenprügelei

Von Stefan Buchholz

Der Streit um einen Billardstock ist in Osnabrück derart eskaliert, dass ein Mann einen Schlaganfall erlitt. Foto: ImagoDer Streit um einen Billardstock ist in Osnabrück derart eskaliert, dass ein Mann einen Schlaganfall erlitt. Foto: Imago

Osnabrück. Eine handfeste Auseinandersetzung in einer Osnabrücker Kneipe hatte jetzt ein Nachspiel vor dem Amtsgericht Osnabrück. In dem Fall um die Folgen eines zerbrochenen Billardspielstocks verurteilten Richter und Schöffen einen 47-jährigen Angeklagten zu einem Jahr Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Zu der Tat kam es im November des vergangenen Jahres. Der Angeklagte und das heute 64-jährige Opfer gerieten während eines Billardspiels über einen zerborstenen Queue aneinander, den der 64-Jährige versehentlich kaputt gemacht hatte. Daraufhin sah der alkoholisierte Angeklagte rot: Er zerrte den 64-Jährigen aus einer Sitzbank am Tresen und nahm ihn in den „Schwitzkasten“. In dem Gerangel stürzten beide über Stufen und fielen zu Boden. Danach versetzte der 47-Jährige dem Älteren mehrere Schläge auf den Kopf. Erst Gäste und der Kneipenbesitzer hielten den Angeklagten von weiteren Körperverletzungen ab.

Schon während der Schlägerei zeigten sich bei dem 64-Jährigen Lähmungserscheinungen im linken Arm. Das Angebot, den Rettungsdienst zu alarmieren, lehnte er jedoch ab. Das konnte er schon zu diesem Zeitpunkt allerdings nur noch schriftlich formulieren. Die schließlich doch noch gerufene Ambulanz brachte den älteren Mann ins Krankenhaus. Dort stellte man einen Schlaganfall fest, von dem bis heute Lähmungserscheinungen zurückgeblieben sind. An der Verhandlung musste der Mann in einem Rollstuhl sitzend teilnehmen.

Im Verfahren ging es nun darum, inwieweit das „In-die-Mangel-Nehmen“ und die Schläge für den Hirninfarkt verantwortlich gewesen sind. Zwei Mediziner sagten vor Gericht aus, dass die Blutgefäße des 64-Jährigen schon vor der Auseinandersetzung Zeichen starker Verkalkung gezeigt hätten. Sie betonten außerdem, dass diese Vorerkrankung für einen Laien nicht erkennbar ist.

Der Oberstaatsanwalt sprach in seinem Plädoyer von einem tragischen Vorfall, der letztlich aus einer Bagatelle entstanden sei. Strafrechtlich sei der Angeklagte nicht für den Schlaganfall zu belangen. Wohl aber für die Faustschläge. „Sie waren überzogen, zumal das Opfer seinen Arm nicht mehr bewegen konnte“, betonte der Anklagevertreter. Er beantragte auch wegen zweier einschlägiger Vorstrafen des Angeklagten eine siebenmonatige Freiheitsstrafe, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. In dieser Zeit solle der Angeklagte als Auflage 5400 Euro in monatlichen Raten zu je 150 Euro zahlen.

Bis auf das Strafmaß folgten Richter und Schöffen in der Urteilsbegründung weitgehend dieser Sichtweise. „Sie haben Streit gesucht, gefunden und auch nicht beenden wollen“, wandte sich der Richter an den Angeklagten. Eine schwere Körperverletzung, wie sie auch die Anklage zunächst formuliert hatte, sah das Gericht aber ebenfalls nicht vorliegen. Dazu hätte die Lähmung zumindest fahrlässig herbeigeführt werden müssen, so der Richter. Davon konnte sich das Gericht nach der Anhörung der Mediziner allerdings nicht überzeugen. Vielmehr müsse davon ausgegangen werden, dass der Schlaganfall des 64-Jährigen für den Angeklagten nicht vorhersehbar war.

Den Bewährungszeitraum der zwölfmonatigen Freiheitsstrafe setzte das Gericht auf vier Jahre fest. Auch die Geldauflage fiel höher aus als vom Staatsanwalt beantragt: Der 47-Jährige muss insgesamt 7200 Euro bezahlen, um die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen.