Liebe in Zeiten des Tsunamis Littera: Lucy Fricke las in Osnabrück aus „Takeshis Haut“

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Lucy Fricke. Foto: PartonLucy Fricke. Foto: Parton

Osnabrück. Wie lässt sich die Atomkatastrophe von Fukushima literarisch verarbeiten? Lucy Fricke zeigt es mit ihrem aktuellen Roman „Takeshis Haut“, den sie bei einer Littera-Veranstaltung im Blue Note in Osnabrück vorstellte.

Eigentlich hatte Lucy Fricke ganz andere Pläne, als das Goethe-Institut ihr 2011 einen dreimonatigen Aufenthalt im japanischen Kyoto ermöglichte. „Ich wollte was Kleines, Lustiges mit einem Zeichner machen“, erklärte sie ihrem Publikum bei der Littera-Lesung. Doch dann brach kurz vor ihrem Abflug der Tsunami aus, der zur Atomkatastrophe von Fukushima führte. Etwas „Kleines, Lustiges“ sei da nicht mehr möglich gewesen.

Und so ist stattdessen der Roman „Takeshis Haut“ dabei herausgekommen, den Fricke nun bei ihrer Lesung im Blue Note präsentierte. In dem Roman korrespondiert das Erdbeben mit einer inneren Erschütterung der Hauptfigur. Frida ist eine Frau in den 30ern, lebt in einer festen Beziehung und ist als Geräuschemacherin eine der besten ihres Fachs. Als sie nach Kyoto reist, um die verlorene Tonspur für einen Film zu rekonstruieren, trifft sie auf Takeshi, der zu mehr als ihrem Begleiter durch die Stadt wird.

Der dritte Roman der in Berlin lebenden Autorin ist der erste, für den sie „hart recherchiert“ habe, sagt sie. So lernte sie im Studio eines befreundeten Geräuschemachers, dass ein filmischer Messerstich in die Brust durch einen Hieb in Lasagneplatten zum Klingen gebracht wird. Sarkastisch gibt sie das im Roman wieder, wo Frida Freude daran hat, Gewaltszenen mit Geräuschen zu unterlegen.

Und natürlich war Lucy Fricke in Japan. Sie wagte es als einzige von vier Stipendiaten des Goethe-Instituts, ihre Reise kurz nach der Katastrophe auch anzutreten. Die Neugier habe sie getrieben, erklärt die Schriftstellerin. Mit ihrer literarischen Verarbeitung der Katastrophe ist Lucy Fricke nicht nur in Deutschland etwas Besonderes. Auch in Japan selbst ist es bisher kein Thema in Büchern.


Die Autorin Lucy Fricke wurde 1974 in Hamburg geboren. Die in Berlin lebende Schriftstellerin gewann 2005 den Berliner „Open Mike“ und veranstaltet seit dem Jahr 2010 „HAM.LIT“, das erste Hamburger Festival für junge Literatur und Musik. Fricke arebeitete als Assistentin des Cutters und im Script an zahlreichen Filmen für Kino und Fernsehen mit. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 2007. Er trägt den Titel „Durst ist schlimmer als Heimweh“.

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