Rosenhof Metal statt Folk mit Fiddler’s Green

Gute Stimmung: Fiddler’s Green. Foto: Swaantje HehmannGute Stimmung: Fiddler’s Green. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Aus Irish Folk wurde Irish Metal: Crossover aus knochenhartem Punk und ein paar Tropfen vom irischen Whiskey: Fiddler‘s Green begeisterte das Publikum im Rosenhof.

Die Vorgruppe zu „Fiddlers Green“ im Rosenhof hatte abgesagt. Kurzfristig springt dafür ein Original der Osnabrücker Popszene ein. Es ist Manuel Sieg, auf der Bühne nennt er sich „North Alone“. Solange er seine Ansagen macht, scheint er ein netter Kerl zu sein. Beginnt er aber auf Englisch eigene Lieder zu singen, wandelt er sich zum zornigen jungen Mann. Bleischwer ist seine Hand mit dem Plektrum, womit er durch die Gitarrensaiten fährt. Rauh seine Stimme, als ob die Kehle mit grob gekörntem Sandpapier ausgelegt wäre. Seine Songtexte sind auch nicht gerade zimperlich.

Anschließend lässt die Hauptgruppe des Abends sehr lange auf sich warten. Doch niemand im Saal nimmt daran Anstoß. Endlich tut sich etwas auf der Bühne. Farbige Lichteffekte zucken auf. Weit ausgreifenden Schrittes kommen die sechs Mitglieder von „Fiddlers Green“ heraus. Wer allerdings in seinen Vorstellungen von Irischer Musik durch Gruppen wie „An Rinn“, „Morris Minor“ oder gar durch die „Dubliners“ geprägt worden ist, reibt sich verwundert die Augen. Wo bleibt hier die Gemütlichkeit eines irischen Pubs, wo sind jene Hau-Drauf-Songs über die Trunkenheit und den irischen Patriotismus, wo die sehnsuchtsvollen Lieder der irischen Auswanderer, die eine Hungersnot nach Amerika vertrieb, wo auch die Balladen, mit denen die Schönheit der Grünen Insel und ihrer Mädchen besungen wird?Man hört kein lustiges Klappern von Hacken beim Stepptanz, und schon gar nicht die fröhlichen Jiggs und Reels dazu.

Krachende Rhythmen von „Fiddlers Green“ dagegen lassen sämtliche Wände des Rosenhofs erzittern und ihre Singstimmen klingen wie Rufe der Schlachtenbummler auf einer Großveranstaltung. Von der Vielzahl der mitgebrachten Instrumente kann sich allein eine Violine, also die Fiddle, gegen das übermächtige Schlagzeug durchsetzen. Nicht irische Authentizität wird angestrebt. Es geht um ein Crossover aus knochenhartem Punk und ein paar Tropfen vom irischen Whiskey, anders gesagt: aus Irish Folk wurde Irish Metal. Doch das Publikum im Saal ist hochzufrieden. Man hat genau das erwartet. Mit emporgerissenen Armen, schwingenden Hüften und Dauerapplaus wird die irische Speedpunk Show von „Fiddlers Green“ bis spät in die Nacht gefeiert.


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