Britische Liedkunst: Julius Drake und William Berger in Malgarten Spannende Zeitreise

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Bramsche. Pianist Julius Drake und Bariton William Berger stellten in der Malgartener Konzertscheune Raritäten vor: Ein Liederabend mit Musik aus Britannien zeigt musikalische Perlen zwischen Purcell und Britten.

Es gab einiges zu entdecken: Der Liederabend in der Malgartener Konzertscheune brachte die Bekanntschaft mit dem Bariton William Berger sowie zahllosen Liedern aus England, die bei uns völlig unbekannt sind. Nur Pianist Julius Drake ist durchaus kein Unbekannter. Gemeinsam boten die beiden eine spannende Zeitreise, die bei Henry Purcell im 17. Jahrhundert begann und bei Benjamin Britten im 20. Jahrhundert endete.

In ruhig-schlichten Liedern offenbaren sich bei William Berger an diesem Abend technische Probleme, zudem würde man sich hier auch eine Reduzierung des Vibratos wünschen. So ist Purcells „Music for a while“ als Einstieg schlecht gewählt: Die schwächste Nummer des Abends! Doch ansonsten funktioniert die Auswahl sehr gut, stimmig sind auch die oft sehr raschen Übergänge zwischen den einzelnen Liedern. Am besten ist William Berger da, wo er seiner kernigen Stimme freien Lauf lassen kann, wo es etwas martialisch oder auch humorvoll zugeht – wo er sich jedenfalls nicht zurücknehmen muss und auch ein wenig „spielen“ kann. Schon bei Händel gestaltet er expressiv, doch wirklich zu Hause scheint der Sänger bei den Liedern des 19. Jahrhunderts zu sein.

Julius Drake wiederum kann sich ganz uneitel zurückhalten, so überlässt er etwa bei Händel seinem Partner das Feld quasi allein und unterstützt am Klavier „nur“ die passende Stimmung. Das tut er ohnehin immer, doch als guter Liedinterpret bleibt er nicht dabei, vielmehr setzt er immer wieder auch selbst Impulse, die William Berger aufgreifen kann. Außerdem reicht seine Palette vom sehr schlichten bis zum kraftstrotzenden Ausdruck, der Anschlag ist fein dosiert, die Stimmen sorgsam gewichtet. Überraschend ist zum Beispiel sein Haydn. Hier überzeugt er mit großer Brillanz, vor allem aber mit außergewöhnlich starken Kontrasten.

Und wie steht es nun um die britische Liedkunst? Da gab es einen gewissen Charles Dibdin, Zeitgenosse Haydns, mit seinem bezaubernden Lied „Tom Bowling“. 1915 starb im Ersten Weltkrieg der erst 27-jährige William Denis Browne, nachdem er „To Gratiana singing and dancing“ grandios vertont hat. Eine ganze Reihe ähnlich unbekannter Namen kommen im ziemlich langen und anspruchsvollen Programm vor. Und am Ende hätte man gerne noch mehr davon!


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