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Nur 7500 Euro Zuschuss Osnabrück gibt sich zum Reformationsjubiläum knauserig

Von Dietmar Kröger

In der Osnabrücker Lutherkirche an der Iburger Straße erinnert ein Fenster an den großen Namenspatron des Gotteshauses. Foto: Gert WestdörpIn der Osnabrücker Lutherkirche an der Iburger Straße erinnert ein Fenster an den großen Namenspatron des Gotteshauses. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Im Jahr 1517, genau am 31. Oktober, soll Martin Luther seine Thesen zum Ablasshandel am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Fast auf den Tag genau 498 Jahre später war dieser Startschuss zur Reformation – wenn auch nur indirekt – Thema im Osnabrücker Rat. Der hatte darüber zu befinden, in welcher Höhe sich die Stadt an den Jubiläumsfeiern zur Reformation beteiligt.

Organisiert werden die regionalen Feiern in zwei Jahren federführend vom evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Osnabrück. Gemeinsam mit der katholischen Kirche, der Stadt Osnabrück, dem Landkreis, dem Landschaftsverband Osnabrücker Land und der Uni Osnabrück hat der Kirchenkreis ein Konzept für das Jubiläum erarbeitet, das nunmehr umgesetzt werden soll. Brigitte Neuhaus, zuvor Leiterin des Bereichs Tourismusmarketing bei der Osnabrücker Marketing und Tourismus (OMT), organisiert die Vorbereitungen.

Um diese Stelle und weitere Ausgaben zu finanzieren, hat der Kirchenkreis einen Finanzierungsplan erstellt, der Gesamtkosten von 154000 Euro aufführt. Der Kirchenkreis sieht sich selber mit 94000 Euro im Boot. Stadt, Landkreis, Bistum und Universität Osnabrück sollen sich nach Vorstellung der Kirche mit jeweils 15000 Euro beteiligen. Der Landkreis hat diesen Betrag bereits für das Jahr 2015 in seinen Haushalt eingestellt. Weitere 10000 Euro stellt der Kreis für „kleinere Projekte“ zu Verfügung, wie ein Landkreissprecher mitteilte. Die Universität diskutiert ihr Engagement derzeit noch in den Gremien, und auch das Bistum ist nach Aussage seines Sprechers noch in der Findungsphase.

Die Stadtverwaltung bleibt in ihrer Beschlussvorlage für den Rat um die Hälfte der vorgeschlagenen 15000 Euro zurück. 7500 Euro, aufgeteilt auf die Jahre 2016 und 2017, kann sich der Fachbereich Kultur, aus dessen Haushalt die Mittel kommen sollen, als städtische Beteiligung vorstellen. Eine Summe, die nicht von allen Ratsmitgliedern mit Beifall bedacht wurde – aus den unterschiedlichsten Gründen.

Reformation und Toleranz – Kirche vor dem 500. Reformationsjubiläum

„Die Kirche hat Rekordgewinne eingefahren“, argumentierte Christopher Cheesemann von der Linkspartei gegen eine finanzielle Beteiligung. Zwar unterstütze er eine inhaltliche Beteiligung am Konzept, Gelder für die Finanzierung einer Geschäftsstelle könne die Stadt angesichts knapper Kassen aber nicht beisteuern.

Diese Ansicht mochte Karin Jabs-Kiesler (SPD) so gar nicht teilen. Sie erinnerte an die historische Bedeutung der Reformation für Osnabrück. Zudem habe sich die Stadt beim Katholikentag im Jahr 2008 finanziell auch stark engagiert.

„Was hat die Geschichte unserer Stadt in den letzten 500 Jahren mehr geprägt als die Reformation?“ – CDU-Fraktionsvorsitzender Fritz Brickwedde hob mit seiner Frage auf die ganz spezielle Bedeutung dieses Ereignisses vor fast einem halben Jahrtausend ab, das bis in die heutige Zeit das Image Osnabrücks als Friedensstadt präge. Der Finanzausschuss habe sich sogar gefragt, ob nicht die vom Kirchenkreis ins Feld geführten 15000 Euro die tatsächlich angemessene Summe wären. „Wir müssen das machen“, sagte Thomas Thiele (FDP). Die Geschichte der Stadt hänge eng mit der Reformation zusammen. Zudem profitiere die Stadt von der touristischen Ausstrahlung der Jubiläumsfeiern.

Einig waren sich alle Ratsmitglieder über den zweiten Teil der Beschlussvorlage, dem zufolge das Büro für Friedenskultur in der Steuerungsgruppe mitarbeiten soll, die die inhaltliche und organisatorische Abwicklung verantwortet. Dieser Teil wurde einstimmig auf den Weg gebracht. Der Zuschuss in Höhe von 7500 Euro wurde bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung von der Politik genehmigt.