Knochenbrecher, Ostfriese, Sexist Peinlicher Auftritt von Tamme Hanken in Osnabrück

Bühnenpartnerin Claudia ertrug die Scherze des „XXL-Ostfriesen“ Tamme Hanken mit bewundernswerter Gelassenheit. Foto: Elvira PartonBühnenpartnerin Claudia ertrug die Scherze des „XXL-Ostfriesen“ Tamme Hanken mit bewundernswerter Gelassenheit. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Das Fazit nach Tamme Hankens Auftritt in der Osnabrück-Halle: Man hat Rainer Brüderle viel unrecht getan. Hanken, der „ostfriesische Knochenbrecher“ aus dem Regionalfernsehen, zeigte sich am Freitag als Pascha ersten Ranges. Sexismus und Niveaulosigkeiten bestimmten seine Bühnenshow. Dem Großteil des Publikums gefiel das hervorragend.

Nein, ein Pferd hatte „ Der XXL-Ostfriese “ nicht auf die Bühne gezerrt – die Tierschützer immerhin können aufatmen. Die Feministinnen (und Feministen!) allerdings sollten dem „ostfriesischen Knochenbrecher“ vielleicht einen #Aufschrei widmen. Oder ist es belanglos, wenn ein 56-Jähriger eine 19-Jährige auf die Bühne holt und zu ihr sagt, er sei der Reiter und sie sein Pferd? „Keine Angst, ich werde heute nicht reiten. Aber ich überlege schon, ob du nächstes Jahr ein Fohlen kriegst!“

Die Zuschauer johlten, einige aber schüttelten auch den Kopf oder verweigerten irgendwann den Applaus. Das sollte der sympathische Knochenbrecher sein, der jedes Pferd von jeder Malaise befreit, indem er ihm das Hinterbein zurechtruckt?

Bevor die 19-Jährige und zwei gleichaltrige Freundinnen Hankens Bühnenpartnerinnen wurden, musste die Schinkelanerin und siebenfache Pferdebesitzerin Claudia ran. Tamme Hanken ist sich übrigens nicht zu schade, jede Frau ausschließlich und im Sekundentakt „Schätzelein“ zu nennen, womit er einen Teil des Erbes von Horst Schlämmer ziemlich würdelos verwaltet. Auch Claudia war nach einmaliger Namensnennung nur noch das „Schätzelein“ – oder ein Vorführ-Pferd mit Namen Lotte. „Wenn du einen Gaul kaufst, dann guck ihn dir nicht auf der Straße an, sondern auffem Weichen!“, empfahl der Knochenbrecher in seinem Programmteil unter dem inoffiziellen Motto „Pferdekauf für Deppen“.

Bevor man den Gaul „auffem Weichen“ laufen lässt, soll man ihn laut Hanken aber erst einmal minutenlang ein Hinterbein ausstrecken lassen. Und weil nun mal kein Gaul da war, musste Claudia unter Hilfestellung des Knochenbrechers eine gefühlte Ewigkeit lang ein Bein ausstrecken. Zwischendurch verpasste ihr der Knochenbrecher immer wieder per XXL-Spritze eine orale Infusion mit seinen Universalheilmitteln Zwiebelsud und Schnaps. „Ich muss morgen arbeiten!“, protestierte Claudia einmal – es blieb ungehört.

Weil Hanken das nicht reichte, schickte er sein „Schätzelein“ ins Publikum, um „einen jungen Hengst“ mitzubringen. „Ja, das ist jetzt das erste Mal, dass du dir ’nen Mann gesucht hast!“, sagte der Knochenbrecher. Claudia hatte zuvor berichtet, dass sie alleinstehend ist.

Dem jungen Gaul, dessen Darsteller sich erst gar nicht vorzustellen brauchte, sollte sie dann ein Stoffsäckchen mit zwei Nüssen an der Körpermitte befestigen – ein Pferdehoden-Modell. „Nicht abbinden!“, rief der Knochenbrecher, „wenn der Sack blau ist, ist er hin“. Während der Hengstdarsteller ziemlich entgeistert dreinblickte, ließ sich Claudia mit ständigem Lächeln und bewundernswerter Gelassenheit vorführen – und hatte dabei sogar sichtlich Spaß.

Wer das Schauspiel ähnlich unwürdig fand wie der Verfasser dieses Textes, wünscht Tamme Hanken für seinen nächsten Auftritt von Herzen nur eins: eine langjährige „Emma“-Abonnentin als Bühnen-Partnerin.


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