Spielzeugbörse im Museum Schlümpfe, Monchichis und Co. in Osnabrück

Von Ulrike Havermeyer


Osnabrück. Der vielleicht letzte Rückzugsort längst ausgestorben geglaubter Spezies – grinsende Schlümpfe, daumennuckelnde Monchichis, sonnenverblichene Sandmännchen – lag am Wochenende im Museum Industriekultur. Wer die bereits im neunten Jahr organisierte Spielzeugbörse besuchte, begab sich auf eine Reise in die eigene Vergangenheit.

Ein bisschen muss man die Lider schon zusammen kneifen – so viel Pink und Rosarot ist das alltagsernüchterte Auge nicht gewöhnt. Hinter dem Horizont dieser bonbonfarbenen Welt, in der sich hoch gewachsene Plastikschönheiten auf blondierten Rössern tummeln, taucht das Gesicht der elfjährigen Janica Sühlmann aus Leeden auf. Kein Bedauern, all ihre treuen Fantasiegestalten fremden Händen zu überlassen? Janica schüttelt den Kopf: „Meine rosa Phase ist vorbei – ich bin durch damit.“ Etwas schwerer scheint der Abschied für Mutter Monja zu sein: „Letztes Weihnachten hat meine Tochter sich noch etwas aus dem Sortiment gewünscht“, seufzt sie, „aber im Frühjahr war es dann endgültig aus.“

Auf dem Tisch von Helga Zimmermann aus Bramsche türmt sich ein beachtlicher Stapel von Gesellschaftsspielen. „Bei drei Kindern sammelt sich ganz schön was an“, sagt sie und blickt etwas nachdenklich auf das bunte Allerlei, das zugleich einen Teil ihrer Familienchronik ausmacht. Warum will sie sich trotzdem davon trennen? „Weil ja alles noch in gutem Zustand ist, aber nur herumliegt.“

Spielzeug, das nicht mehr benutzt, aber schon produziert ist, nicht gleich wegzuschmeißen – das hält Margret Baumann vom Museum Industriekultur für einen wichtigen Aspekt. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Marie Toeppe betreut sie die Veranstaltung. „Ob die Sachen verkauft oder getauscht werden, stellen wir den Anbietern frei.“

Tauschen – das dürfte weder für Jürgen Lohmann noch für Klaus Giesselmann infrage kommen. Die beiden haben sich auf alte Modelleisenbahnen spezialisiert, deren große Zeit nicht erst ein paar Jahre, sondern bereits ein stolzes Jahrhundert vorüber ist. „Das sind echte Antiquitäten“, raunt Lohmann, der zusammen mit seiner Frau Jaqueline eigens aus Duisburg angereist ist.

Auch die Lokomotiven und Waggons von Klaus Giesselmann sind echte Schmuck- und Sammlerstücke. Ihr Wert liegt irgendwo im vierstelligen Euro-Bereich. „Ich bin schon das dritte Mal hier“, vermeldet der Ostercappelner stolz. „Verkauft habe ich aber noch nie etwas.“ Er schmunzelt. Im nächsten Jahr, versichert er, kommt er wieder: „Weil die Atmosphäre hier im Museum so toll ist.“