Offene Gotteshäuser, offene Worte Tag der Religionen in Osnabrück

Von Gunhild Seyfert

Gab am Tag der Religionen Auskunft über die Christusgemeinschaft: Pfarrer Martin Kühnert. Foto: Gert WestdörpGab am Tag der Religionen Auskunft über die Christusgemeinschaft: Pfarrer Martin Kühnert. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Am Tag der Religionen öffneten nicht nur die großen Kirchen, sondern auch Moscheen und kleine christliche Gemeinschaften ihre Tore. Die vielfältigen Gelegenheiten nahmen die Besucher am Samstag gerne wahr. So konnte man zum Beispiel auf der Iburger Straße zuerst der Merkez-Moschee einen Besuch abstatten und dann stadtauswärts in der gleichen Straße die Christengemeinschaft besuchen.

Zum ersten Mal war diese christliche Gemeinschaft beim Tag der Religionen mit dabei. Pfarrer Martin Kühnert erwartete die Besucher in der schönen neogotischen Kapelle, die vor langer Zeit einmal die Kapelle des Johannisfriedhofs war. Als die Besucher schließlich eher vereinzelt kamen, saß man zusammen im schmucken Kirchraum und erhielt auf alle Fragen kompetente Antwort.

Seit 25 Jahren hat die Christengemeinschaft ihren Ort in der mittlerweile umgebauten ehemaligen Friedhofskapelle. An den Farben im Altarraum, der in verschieden hellen Tönen von Lila angemalt ist und an der Kunstrichtung des Altarbildes kann man eine gewisse Ausrichtung erkennen. Die Christengemeinschaft ist teilweise geprägt von Menschen, die der Anthroposophie nahe stehen.

„Wir sind aber keine anthroposophische, sondern eine christliche Gemeinschaft“, betont der 52-jährige Pfarrer. Als damals, im Jahr 1922, evangelische Theologen und Pfarrer die Christengemeinschaft gegründet hätten, so erläutert jetzt Martin Kühnert, sei dies wesentlich eine Reaktion gewesen auf die Verfassung, in der sich die evangelische Kirche damals befunden habe. In altpreußischer Tradition sei sie damals pompöse Staatskirche gewesen. „Die Gründer der Christengemeinschaft suchten nach religiöser Vertiefung, die standhalten kann in der Zeit, in der man lebt“, so der Pfarrer. Diesen Auftrag gelte es, bis heute stets neu zu erfüllen.

Mit Blick auf die Grundlagen des christlichen Glaubens gibt es keine Unterschiede zwischen den großen Kirchen und der kleinen Christengemeinschaft. In der Glaubenspraxis geht die Christengemeinschaft jedoch manchmal einen anderen Weg, etwa bei der Taufe. Automatisch wird man in den großen christlichen Kirchen mit der Taufe als Kind auch Mitglied der Kirche. Die Christengemeinschaft aber will da mehr Freiheit und Selbstbestimmung. „Getauft wird ein Kind in die Christenheit hinein“, erläutert Pfarrer Martin Kühnert. „Ob man jedoch tatsächlich Mitglied unserer Christengemeinschaft werden möchte, entscheidet man erst später, wenn man erwachsen ist.“