Milde Strafen Bohmter für Cannabisanbau verurteilt

Von Heiko Kluge

<em>Cannabis-Pflanzen</em> soll ein Mann in einem Wohnwagen angebaut haben. Foto: dpaCannabis-Pflanzen soll ein Mann in einem Wohnwagen angebaut haben. Foto: dpa

Osnabrück. Das Amtsgericht Osnabrück hat ein junges Paar aus Bohmte mit milden Strafen belegt. Die beiden hatten Marihuana angebaut und verkauft.

Siebzehn Cannabispflanzen fand die Polizei bei einer Durchsuchung der Wohnung des Paars im vergangenen März. Auch wenn diese Plantage von der Zahl der Pflanzen her überschaubar war, es brachte den 22-jährigen Mann und seine um ein Jahr jüngere Freundin in große Schwierigkeiten - umso mehr, als ein Zeuge ausgesagt hatten, über den Zeitraum eines Jahres Marihuana von der jungen Frau bezogen zu haben.

Die beiden geständigen Angeklagten gaben an, als Teenager mit Cannabis-Konsum begonnen zu haben. Allerdings erklärte die junge Frau, sie habe mit dem Drogenkonsum aufgehört, nachdem sie von ihrer Schwangerschaft erfahren habe. In Mai kam der gemeinsame Sohn des Paares zur Welt. Doch der junge Vater tut sich immer noch schwer, die Finger vom Marihuana zu lassen. Ein-, zweimal pro Woche konsumiere er die Weichdroge noch, so der 22-jährige. Er wolle aber ganz davon los kommen. Das Cannabis habe er für sich selber angebaut und davon „nur ungern“ etwas zum Verkauf abgegeben, betonte der 22-jährige. „Der Verkauf ging von mir aus, um uns über die letzten Tage des Monats zu bringen“, bestätigte seine Freundin. Keiner der beiden hat eine Ausbildung abgeschlossen, derzeit ist die junge Familie auf Arbeitslosen- und Elterngeld angewiesen.

Die Mutterschaft hat bei der jungen Frau offenbar eine Veränderung der Perspektive bewirkt. „Es war totaler Mist“, bedauerte sie den Drogenhandel, „jetzt müssen wir nach vorne schauen.“ Nach der Elternzeit möchte sie sich als Tätowiererin selbständig machen.

„Es war ein Notfall“, versuchte sich der 22-jährige zu rechtfertigen. Doch diesen Zahn zog ihm die Richterin: „Eben genau das war es nicht.“ In Deutschland müsse kein Mensch verhungern. Ihr fehle bei dem Angeklagten die notwendige Einsicht.

So sah es auch der Staatsanwalt. „Ich habe keinen guten Eindruck von Ihnen gewonnen“, beschied er dem 22-jährigen, der bereits vier Eintragungen in seinem Strafregister hat: „Sie schrappen ganz haarscharf am ‚Erwachsenenstrafrecht entlang.“ Nur weil der Angeklagte einen Teil der Taten noch als Heranwachsender begangen habe, gebe es bei ihm überhaupt noch die Möglichkeit, das Jugendstrafrecht mit seinem erzieherischen Schwerpunkt bei ihm anzuwenden. Nach Erwachsenenrecht würde er ein Jahr und acht Monate bekommen, „und mit einer Bewährung wäre es Essig“, so der Staatsanwalt. „Sie müssen langsam kapieren, dass sie hier einen Ritt auf dem Vulkan hingelegt haben.“

Doch immerhin bemühe sich der 22-Jährige um einen Ausbildungsplatz und sei auch bereit, eine Drogenentwöhnungstherapie zu machen. Daher beantrage er, die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe zur Bewährung auszusetzen, so der Staatsanwalt: „Sie bekommen jetzt die Zeit, uns zu zeigen: ’Eigentlich bin ich ein Guter.‘“

Das Gericht stimmte mit dem Anklagevertreter überein und entsprach seinen Anträgen. Die junge Frau wurde dem entsprechend zum Ableisten von 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Damit nahm das Gericht auch Rücksicht auf die Situation der jungen Mutter, „denn eigentlich müssten sie deutlich mehr Stunden ableisten“, so die Richterin.

Dem 22-jährigen stellte das Gericht für die zweijährige Bewährungszeit einen Bewährungshelfer zur Seite und machte es ihm darüber hinaus zur Auflage, eine Drogenentwöhnungstherapie zu absolvieren. Wenn der junge Mann gegen die Auflagen verstoße, „dann treffen wir uns wieder und reden über eine Jugendstrafe“. Und noch in einem letzten Punkt kam das Gericht dem Paar entgegen: Um der jungen Familie den Start nicht noch weiter zu erschweren, verzichtete man ausnahmsweise darauf, den beiden die Kosten für das Verfahren aufzuerlegen.