Ein Schweizer in Amerika Max Moor erzählt im Haus der Jugend

Von Matthias Liedtke

Gestenreich: Max Moor im Haus der Jugend. Foto: Hermann PentermannGestenreich: Max Moor im Haus der Jugend. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Der Schauspieler, Fernsehmoderator und Autor Max, ehemals Dieter, Moor las und erzählte im nur mittelmäßig frequentierten Haus der Jugend Geschichten aus seinem Leben. Und das mit Leib und Seele.

Denn mit seiner sonoren Bass-Stimme, seiner hünenhaften Gestalt, seinem markant kernigen Gesicht und seinen großen Händen gelang es dem 56-Jährigen gekonnt, seine Texte vielstimmig, gestenreich und mit ausdrucksstarker Mimik zu untermalen.

Die einleitende Geschichte über seinen Schweizer Großvater, der ein „braver Mann“ gewesen sei und „immer nur funktioniert“ habe, bis er sich einen Hühnerhof zu eigen gemacht hat, war dabei auch für seine eigene weitere Biografie offenbar prägend. Denn vor rund zehn Jahren mutierte er selbst zum Hofherren in Amerika. Das ist der fiktive Name jenes brandenburgischen 200-Seelen-Dorfes Hirschfelde nordöstlich von Berlin, das seine Frau Sonja erwählt hat, um dort gemeinsammit ihm einen Bauernhof zu betreiben. „Wie eine fertige Modelleisenbahn“, bei der „alles festgeklebt ist“ und „nichts mehr passiert“, sei ihm die Schweiz damals vorgekommen, begründete Max Moor den Entschluss, in eine Gegend auszuwandern, die zu Unrecht als „No-Go-Area“ verschrien sei.

Liebevoll berichtete er über erste Begegnungen mit dem nur anfänglich wortkargen Bauern Müsebeck, dem „unzähmbaren“ Pferdemeister Krüpki, der Kellnerin Babuschka, der „freiwilligen“ Feuerwehrchefin Helena oder der ehemaligen Dorfhebamme Schwester Alma, die deswegen eine „Respektsperson“ sei, weil sie allen Bewohnern einen Klaps auf den Po gegeben hat, als sie noch „hilflose Würmchen“ waren. Moor mit helvetischem Migrationshintergrund, der sich anfangs über die andauernde Feierlaune und die großzügige Auslegung von Pünktlichkeit in seiner neuen Heimat wunderte,schlüpfte im positiven Sinne theatralisch in die verschiedenen Rollen seiner Protagonisten aus der Nachbarschaft. Und verstand es dabei nicht nur, virtuos zwischen Hochdeutsch, Schwyzerdütsch und dem Brandenburger Dialekt zu changieren, sondern auch die freie Rede fast unmerklich in den gelesenen Text übergehen zu lassen. Das galt auch für eine pointierte Beschreibung männlicher Tanz-Traumata und für das abschließende, buchstäblich mörderische Pamphlet gegen Tannen, die „eigentlich ja keine richtigen Bäume“, sondern eher eine Art Unkraut seien.