Krimiautor mit Sendungsbewusstsein Wolfgang Schorlau liest am Montag in Osnabrück

Autor und Aufklärer aus Leidenschaft: Wolfgang Schorlau Foto: Kiepenheuer & Witsch/Fürst-FastréAutor und Aufklärer aus Leidenschaft: Wolfgang Schorlau Foto: Kiepenheuer & Witsch/Fürst-Fastré

Osnabrück. Massentierhaltung, gesundheitsschädliches Fleisch und Lohnsklaverei in der Fleischindustrie: Mit diesen Themen beschäftigt sich Wolfgang Schorlau in seinem aktuellen Kriminalroman „Am zwölften Tag“, der kürzlich mit dem Stuttgarter Krimipreis ausgezeichnet wurde. Am Montag ist der Autor zu Besuch in Osnabrück, um aus dem neuesten Fall des Stuttgarter Privatdetektivs Georg Dengler vorzulesen.

Schorlau war früher IT-Manager. Erst mit Ende 40 startete der Stuttgarter seine Karriere als Schriftsteller und gab dafür seine eigene Firma auf. „Es war schon immer mein Traum, Geschichten zu erzählen“, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich habe immer nach der richtigen Geschichte gesucht und sie schließlich auch gefunden.“

Das Buch „Die blaue Liste“, eine Verschwörungsgeschichte aus der Zeit der Wiedervereinigung, wurde zum ersten von mittlerweile sieben Krimis mit der Hauptfigur Georg Dengler. Sämtliche Romane Schorlaus behandeln gesellschaftspolitische Themen. Er schrieb schon über die Privatisierung der Wasserwirtschaft, kriminelle Machenschaften in der Pharmaindustrie oder die Frage, was aus den Idealen der Jugend geworden ist. „Es gibt so viele Dinge, über die wir nicht Bescheid wissen“, sagt Schorlau. Mit seinen Gesellschaftsromanen, deren Stil er als „klaren Realismus“ bezeichnet, möchte er aufklären. „Natürlich träumt jeder Schriftsteller davon, dass seine Literatur etwas bewirkt.“

Anregungen zu neuen Themen holt sich Schorlau bei der Zeitungslektüre oder bei Lesern, die ihm Hinweise geben. Für „Am zwölften Tag“ hat sich der Schriftsteller zwei Jahre lang intensiv mit dem Alltag in der Fleischindustrie beschäftigt und mit Menschen gesprochen, die in dieser Branche tätig waren. Herausgekommen ist ein Krimi, der unter anderem Massentierhaltung und die Ausbeutung osteuropäischer Werkvertragsarbeiter anprangert. Schauplätze der Geschichte, in der sich Privatdetektiv Dengler auf die Suche nach seinem verschwundene Sohn und dessen Freunden macht, sind die Region Osnabrück und das Oldenburger Münsterland. Aus diesem Grund ist es für den Autor besonders interessant, in Osnabrück aus seinem Roman vorzulesen.

Bei einem öffentlichen Akademieabend der Caritas in Osnabrück am Montag, 24. November, ab 19 Uhr in der Kleinen Domsfreiheit 11–18 wird Schorlau nicht nur lesen, sondern im Anschluss auch an einer Podiumsdiskussion zum Thema „,Am zwölften Tag‘ – ,nur‘ ein Krimi über Arbeitsausbeutung?“ teilnehmen. Unter der Moderation von Roland Knillmann (Caritasverband) sprechen neben Schorlau der Prälat Peter Kossen aus Vechta, Matthias Brümmer, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, und Dr. Joachim Timmermann, Geschäftsführer der Weidemark Fleischwaren GmbH. „Ich glaube, dass es eine spannende Diskussion wird“, so Schorlau. Seine Meinung ist: „Man muss in der Industrie eigentlich alles besser machen, die drei wichtigsten Punkte sind die Tierhaltung, die Arbeitsbedingungen und die Gesundheitsgefährdung durch die Produkte.“

Am Dienstag, 25. November, liest Schorlau noch einmal im geschlossenen Kreis – für Schüler der elften Klassen des Wirtschaftsgymnasiums und der zwölften Klasse der Fachoberschule Wirtschaft, die sich im Religions- und Ethikunterricht mit dem Thema Gerechtigkeit und nachhaltiges Handeln in der Wirtschaft beschäftigt haben. Organisiert wurde die Lesung vom Caritasverband und dem BDKJ in Zusammenarbeit mit dem Religionslehrerteam der BBS am Schölerberg. „Ziel ist es, mit den Jugendlichen in einen Austausch über die eigene Verantwortung zu kommen“, sagt die Berufsschullehrerin Cornelia Klein.

Ob man ihm nun zustimmt oder nicht – Schorlau bringt die Teilnehmer seiner Lesungen in jedem Fall dazu, sich mit den Themen seiner Bücher auseinanderzusetzen. „Außerdem habe ich wieder die Gelegenheit, nach Osnabrück zu kommen, denn ich bin immer wieder gern dort“, sagt der Schriftsteller.