1000 Jutebeutel zu verschenken Osnabrücks Klimabotschafter sacken Plastiktüten ein

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Osnabrück. Umweltaktivisten der Ursulaschule haben am Freitag in der Fußgängerzone damit begonnen, 1000 Jutebeutel zu verschenken. Dafür sackten die Gymnasiasten von Dutzenden Einkaufsbummlern die Plastiktüten ein. Prominente Hilfe kam von Tanzweltmeister Michael Hull: Gemeinsam legten sie eine flotte Sohle auf die Große Straße.

Die Tanzschule Hull hatte die Baumwolltaschen gestiftet. Ihr Schriftzug prägt deshalb folgerichtig die eine Seite der praktischen Beutel. Die andere ziert ein von den Kindern und Jugendlichen entworfenes Motiv: „Gegen Plastik“ heißt der in Großbuchstaben formulierte Wahlspruch. Darunter prangt das Logo des Berliner Vereins „Youthinkgreen – Jugend denkt um.welt“, unter dessen Dach die Klimabotschafter seit 2011 vor Ort für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur werben. Außerdem abgedruckt: ein Ortsschild mit der Aufschrift „Plastiktütenfreies Osnabrück“. Bis Ende 2017 wollen die Ursulaschüler diesen Appell in die Tat umsetzen.

Hehres Ziel

„Super Idee! Aber auch eine schwere Aufgabe“, findet Waltraud Budelmann. Sie gehörte zu den Ersten, die von den jungen Naturschützern mit einem umweltschädlichen Kunststoffbeutel erwischt und zum Tauschen gegen Jute eingeladen wurden. Die 54-Jährige aus Weyhe bei Bremen willigte sofort ein. Mit Vergnügen packte sie die soeben bei Pett gekaufte Hose um und überließ den Schülern den gleichsam vom Bekleidungsgeschäft ausgehändigten Plastikmüll.

Befragt nach ihren Einkaufsgewohnheiten gab Budelmann zu Protokoll, „sonst eigentlich immer“ Stoffbeutel zu benutzen, nur leider „heute nicht“. Eine Ausrede? Vielleicht. Zugute halten müsse man ihr aber, dass sie bei Pett eine zweite Plastiktüte abgelehnt und stattdessen ein Teil, das ihre Freundin ebendort erstand, in die eigene gesteckt hat. Immerhin.

Gedankenlosigkeit

Doch so viel Vernunft besitzt nicht jeder. Monika Schröder, wie zwei weitere Frauen mit Waltraud Budelmann unterwegs, vermisst Umweltbewusstsein vor allem bei „jungen Leuten“. Sie kenne das von ihrer Tochter, erklärte die 56-Jährige. Mitten in den Zwanzigern, schleppe diese ständig Plastiktüten an. Obwohl Mutti ihr regelmäßig einbläue, dass diese nahezu unverrottbar seien und damit eine Gefahr für Mensch und Tier darstellen – ja für die ganze Welt. „Manche machen sich einfach zu wenig Gedanken!“ Ihr Vorschlag: Plastiktüten müssen teurer werden und im Laden mindestens so viel kosten wie Baumwolltaschen.

Wolfgang Schmitt versucht schon lange, auf unnötige Verpackungen bewusst zu verzichten. „Der viele Müll macht mich kirre.“ Um selbst Abfall zu vermeiden, habe er immer drei, vier Jutebeutel im Auto, versichert der 51-Jährige aus Preußisch Oldendorf. Nun kommt ein Fünfter hinzu. Denn auch Schmitt benutzt – ausgerechnet jetzt, wo die Klimabotschafter hinsehen – eine Plastiktüte. Warum? „Man wird ja damit totgeschmissen in der Stadt.“ Die Umtauschaktion der Ursulaschüler findet er gut, ihr übergeordnetes Ziel „sehr erstrebenswert – nicht nur in Osnabrück“.

Innerer Schweinehund

Die von einem wachsenden Bündnis getragenen und vom Oberbürgermeister geschirmten Aktivisten selbst – insgesamt gut 16 an der Zahl – haben den Kampf gegen den inneren Schweinehund längst gewonnen. Und sogar ihre Familien bekehrt. „Bei uns zu Hause benutzen wir nur noch Körbe und Beutel“, sagt Emma Weglage (14), die an diesem Nachmittag an der Seite der gleichaltrigen Svea Jürgens auf Osnabrücks Shoppingmeile missioniert. So ein Erfolg motiviert natürlich. Und tatsächlich scheinen die meisten Menschen, die sie ansprechen, für ihr Anliegen aufgeschlossen zu sein. Auch wenn die beiden Neuntklässlerinnen nicht weniger verlangen als dauerhafte, persönliche Überwindung. Emma Weglage: „Es kostet Anstrengung, wenn man sich verändern muss.“


Mit einer Informationsveranstaltung zum Projekt „Plastiktütenfreies Osnabrück“ nehmen die Youthinkgreen-Klimabotschafter der Ursulaschule Osnabrück an der Europäischen Woche der Abfallvermeidung vom 22. bis 30. November 2014 teil. Bereits zum fünften Mal zeigen bundesweit zahlreiche Akteure, wie man seine persönliche Abfallbilanz verbessern kann.

In Osnabrück informieren am Freitag, 28. November, die Klimabotschafter im Stadtteilbüro Rosenplatz (Iburger Straße 23) über ihr Projekt. Zudem wird die Kunststudentin Mareike Alexander einen aus Plastikmüll hergestellten Teppich präsentieren und zum Thema „Müll auf den Ozeanen“ referieren. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.

An der Europäischen Woche der Abfallvermeidung beteiligen sich in Deutschland insgesamt 145 Unternehmen, Behörden und Einrichtungen mit 281 Aktionen.

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