Ex-Bundespräsident zu Gast Wulff wirbt in Osnabrück für religiösen Dialog auf Augenhöhe

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Osnabrück. Ein leidenschaftliches Plädoyer für das Miteinander der Religionen in Deutschland hat der frühere Bundespräsident Christian Wulff am Donnerstagabend in Osnabrück gehalten. Er warb für Toleranz und Aufgeschlossenheit.

Wulff sprach beim „Tag der Religionen“ in der Osnabrücker Marienkirche. Er hob hervor: „Osnabrück hat sehr früh erkannt, welche Brisanz das Thema des Zusammenlebens der Religionen mit sich bringt.“ Als Stadt des Westfälischen Friedens, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg zwischen Katholiken und Protestanten beendet habe, engagiere man sich hier besonders vorbildlich für den Dialog und das Miteinander.

Genau das forderte Wulff für Deutschland insgesamt: „Ein Nebeneinander der Religionen und Weltanschauungen genügt mir nicht“, sagte er. „Ich wünsche mir ein wirkliches Miteinander, einen ehrlichen Dialog auf Augenhöhe, das Bauen stabiler Brücken zueinander.“

Gleichzeitig betonte der frühere Bundespräsident und ehemalige niedersächsische Ministerpräsident, wie wichtig es sei, gerade in den aktuellen Krisenzeiten auf Muslime in Deutschland zuzugehen. „Sie erleben, wie Terroristen den Islam missbrauchen, und fürchten, mit ihnen in eine Schublade gesteckt zu werden“, sagte er. Daher seien nicht nur Muslime gefordert, sich von den Gräueltaten des „Islamischen Staats“ zu distanzieren, sondern auch die Gesellschaft, klar zu differenzieren und „die Grenzen richtig zu ziehen zwischen Friedliebenden und den Gegnern unserer Ordnung“.

Welch ein hohes Gut die Religionsfreiheit in Deutschland sei, hob der gebürtige Osnabrücker mit Blick auf die deutsche Geschichte hervor. Mit Verweis auf den Nationalsozialismus und den Holocaust sagte er: „Unser Land hat erlebt, wie Menschen aufgrund ihrer Religion und Weltanschauung verfolgt und ermordet wurden.“

Gleichzeitig stellte er klar, dass die Religionsfreiheit Grenzen habe. „Es sind Grenzen, die wir uns durch unsere Gesetze selbst gegeben haben“, sagte Wulff. Innerhalb dieser Grenzen warb er für Toleranz und Verständnis. „Ich gebe zu: Vielfalt kann sehr anstrengend sein“, sagte er. „Doch wir sollten uns mit der Vielfalt auseinander setzen und das Anderssein als Chance begreifen.“


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