Kritischer Kopf mal ganz sanft Johano Strasser bei „Menschen und Masken“

Von Anne Reinert

Übrigens auch Jurymitglied beim Remarque-Preis: Johano Strasser. Foto: GründelÜbrigens auch Jurymitglied beim Remarque-Preis: Johano Strasser. Foto: Gründel

Osnabrück. In der Reihe „Menschen und Masken“ sprach der langjährige P.E.N.-Präsident Johano Strasser im Osnabrücker Nussbaum-Haus mit der Schriftstellerin Jutta Sauer

Manche Dinge erfährt man erst, wenn man fragt. Seit den 80ern kennen Jutta Sauer und Johano Strasser sich. Damals reichte die Autorin Texte für die politisch-literarische Zeitschrift „L 80“ ein, bei der Strasser neben Günter Grass und Heinrich Böll Redakteur war. Ihre Wege haben sich oft gekreuzt. Doch in einem sehr bewegten Gespräch der Reihe „Menschen und Masken“ waren auch für sie Dinge neu.

Johano Strasser war der zweite Gast der Veranstaltungsreihe, die zum P.E.N.-Literaturprojekt „Menschen und Masken“ gehört. Sauer gelang es, dem sozialkritischen Schriftsteller auch ganz sanfte Töne zu entlocken. Der Bogen spannte sich von seiner Herkunft bis zu seiner Arbeit als Schriftsteller und der für das deutsche P.E.N.-Zentrum , dessen Präsident er von 1995 bis zum letzten Jahr war. Natürlich lieferte er auch politische Statements. So erklärte er seine „Kritik des verkürzten Rationalismus“, die darauf zielt, dass alles auf seine Zweckmäßigkeit geprüft wird und das Sicherheitsdenken die Freiheit einschränkt. Verständnis zeigte er für heutige Berufsanfänger, die sich von einem unbezahlten Praktikum zum nächsten hangeln. Als seine Altersklasse mit dem Studium fertig gewesen sei, habe der Arbeitsmarkt „sperrangelweit“ offen gestanden. Da zeigte sich in Johano Strasser das Mitglied der SPD-Grundwertekommission , das er seit 1975 ist.

Dass er ein so kritischer, aber auch offener Mensch geworden ist, liegt an seinem internationalen Elternhaus. Strasser wurde 1939 in den Niederlanden geboren. Seine Mutter war Niederländerin, sein Vater ein in den USA geborener Sohn einer Französin und eines Österreichers. 1947 zog die Familie nach Rotenburg an der Wümme. Kosmopoliten in der Provinz, passt das? Im Rückblick sei das für ihn ein fruchtbares Spannungsfeld, erklärt Johano Strasser. Eines, das sich in seinen Romanen wiederfindet, etwa in „Bossa Nova“, der im Untertitel „Ein Provinzroman“ heißt. Überhaupt interessiert Johano Strasser, „wie normale Menschen durch das Leben kommen“. Das gilt auch für seinen Roman „Die schönste Zeit des Lebens“, aus dem Strasser am Ende dieses Abends liest. Und zurück bleibt nach diesem so ausgefüllten Gespräch, in dem Jutta Sauer Strasser dem Autor so einiges entlockte: Man muss Johano Strasser mal wieder lesen.