Wenn Inklusion auf Widerstände trifft Baumschule klagt vor Sozialgericht gegen Arbeitsagentur Osnabrück

Von Horst Troiza

Ungetrübt ist die Freude nicht: Firmenchef Christoph Trentmann stellte die hörgeschädigte Franziska Lückebergfeld in seiner Baumschule an. Sie fühlen sich von der Osnabrücker Agentur für Arbeit schlecht beraten, weil sie laut Trentmann nicht auf Fördermittel hingewiesen wurden. Foto: Gert WestdörpUngetrübt ist die Freude nicht: Firmenchef Christoph Trentmann stellte die hörgeschädigte Franziska Lückebergfeld in seiner Baumschule an. Sie fühlen sich von der Osnabrücker Agentur für Arbeit schlecht beraten, weil sie laut Trentmann nicht auf Fördermittel hingewiesen wurden. Foto: Gert Westdörp

Bad Rothenfelde. Die Baumschule Trentmann hat gegen die Agentur für Arbeit Osnabrück geklagt, weil sie sich von dieser bei der Einstellung einer hörgeschädigten Frau zur Gärtnerin schlecht beraten fühlt. Dennoch bildete die Baumschule aus Bad Rothenfelde die hörgeschädigte junge Frau erfolgreich zur Gärtnerin aus und wurde dafür zusammen mit dem Musik- und Theaterprojekt „Querkopf“ aus Bramsche mit dem erstmals ausgelobten Inklusionspreis des Landkreises ausgezeichnet.

Trentmanns fühlen sich von der Agentur für Arbeit schlecht beraten. „Wir wurden nicht auf Fördermittel aus dem Programm Job 4000 hingewiesen, die Betriebe beantragen können, wenn sie die Berufsausbildung eines Menschen mit Behinderung übernehmen. Dann wurde Franziskas Antrag auf Beihilfe nicht bewilligt, den sie gestellt hatte, weil sie zum Blockunterricht in eine spezielle Berufsschule mit Internatsunterbringung nach Essen musste“, zählen sie auf. Erst eine Klage ihrer Eltern vor dem Sozialgericht habe das zu ihren Gunsten geklärt.

Als besonders ärgerlich empfand Ingrid Trentmann das Verhalten der Sachbearbeiterin, als diese gesagt habe, weshalb sie denn eine Behinderte ausbilden wollten. Was wäre denn, wenn die die Ausbildung frühzeitig abbräche. „Mein Gott, das tun doch andere auch, das darf doch kein Kriterium sein.“ Gegenwärtig ist ein Klageverfahren wegen der ausgebliebenen Informationen über die Fördermittel vor dem Zivilgericht anhängig,

Gisela Lünnemann, Geschäftsführerin für den operativen Bereich, sagte unserer Redaktion, die zu Beginn der Ausbildungszeit erteilten Auskünfte durch ihre Mitarbeiterin seien „zum damaligen Zeitpunkt richtig gewesen, sie hat nicht anders handeln können“. Weiter wollte Lünnenmann auf die Vorwürfe mit Blick auf das schwebende Gerichtsverfahren nicht eingehen.

Die heute 19-jährige Franziska Lückebergfeld ist in einer Landwirtsfamilie groß geworden. Schon früh hat sie den Umgang mit Blumen, Sträuchern und anderen Pflanzen gelernt, sachgerechtes Beschneiden und Veredelung sind ihr nichts Fremdes. Weitere Erfahrungen hat sie bei ihrer Schwester sammeln können, die im Garten- und Landschaftsbau tätig ist.

Was lag also näher, als nach der Schulzeit selbst eine Ausbildung im Bereich Gartenbau anzustreben? Es gab da nur ein Problem: Franziska ist seit ihrer Geburt hörgeschädigt. Für Christoph Trentmann und seine Ehefrau Ingrid war das aber keine große Hürde. „Wir kannten Franziska von einem Praktikum in unserem Betrieb, auch später hat sie hier und da mal ausgeholfen.“

Franziska erhielt 2011 einen Ausbildungsvertrag zur Gärtnerin Fachrichtung Baumschule. Drei Jahre lang erlernte sie den Beruf von der Pike auf, stellte sich geschickt an und wurde unersetzlich. „Wenn ich unterwegs bin, schmeißt sie den Laden, sie ist meine rechte Hand“, erklärt Christoph Trentmann. Jetzt, nach bestandener Abschlussprüfung, wurde das Beschäftigungsverhältnis auf eine neue Basis gestellt: Die junge Gärtnergesellin erhielt einen unbefristeten Arbeitsvertrag. „Der Beruf macht mir riesigen Spaß, und ich bin auch dankbar dafür, dass ich hier ausgebildet wurde“.

Steht ihr ihre Behinderung bei der Arbeit manchmal im Wege. Eigentlich nicht, sagt sie. „Die meisten Kunden wissen ja davon. Wenn man mich nicht direkt von hinten anspricht, kann ich ja auch alles hören“, sagt sie. Auch ihr Chef erklärt, dass das nicht hinderlich sei. Sie wisse ja, was zu tun ist, „Franziska ist sehr eigenständig.“

Trentmanns hatten sich im Sommer für den Inklusionspreis beworben, zusammen mit 23 weiteren Betrieben, Einrichtungen und Projekten. Dass sie zusammen mit „Querkopf“ den Preis und je 1000 Euro zugesprochen bekamen, hat sie überrascht, aber auch sehr gefreut. „Vielleicht ist es ein Signal für andere, dass auch Menschen mit Behinderung vollwertige Mitarbeiter sein können“, macht Ingrid Trentmann deutlich.