Humor gegen Mutlosigkeit Comedy-Pionier Knacki Deuser im Blue Note

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Mehr als nur ein Pausenclown: Knacki Deuser im Blue Note. Foto: Elvira PartonMehr als nur ein Pausenclown: Knacki Deuser im Blue Note. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Klaus-Jürgen Deuser, der mit seinem Format „Night Wash“ die amerikanische Form der Stand-up-Comedy auch hierzulande sozusagen waschsalonfähig gemacht hat, hadert im ausverkauften Blue Note mit dem Schicksal des Komödianten auf einer deutschen Bühne.

Denn dort reiche es nicht, einfach nur witzig zu sein. Sondern es werde auch erwartet, dem Publikum am Ende eine Botschaft mit auf den Nachhauseweg zu geben.

Und so hat sich Klaus-Jürgen alias „Knacki“ Deuser überlegt, mit seinem entspannten Humor gegen Mutlosigkeit, blockierende Skepsis und übertriebene Nachdenklichkeit anzugehen und abschließend dafür zu werben, mit mehr Sorglosigkeit, größerer Leidenschaft und Gewinnermentalität den „Blick nach vorne zu richten“, öfter miteinander zu reden und aufeinander zuzugehen in einem Land, das alle mögen würden, nur die Deutschen selbst nicht. Zuvor traf er mit pointierten Ausführungen über alberne Aktivitäten im Alter offenbar den Nerv der Zuschauer. Und über die unterschiedlichen Tanzgewohnheiten der Geschlechter, die gestisch ausladend und bewegungsintensiv untermalt wurden. So wurde der Programmtitel „Nicht jammern – klatschen!“ beherzt in die Tat umgesetzt.

Gekonnt spießte der Wahl-Kölner, der neuerdings bei Karnevalssitzungen auch gerne schon mal den Pausenclown spielt, mit schneller und spitzer Zunge die deutsche Negativ-Mentalität auf, die gute Laune, Freundlich- und Höflichkeit stets skeptisch beäugt und „gewinnen wollen“ als „anrüchig“ betrachtet. Weder das Glück könnten wir genießen, weil wir wissen, dass es kein Dauerzustand ist, noch einen freien Tag, weil wir dann immerzu daran denken, dass wir am nächsten wieder arbeiten müssen.

Aus einer ausgeprägten „Angst vor dem Verlieren“ heraus gehe es vor allem darum, keine Fehler zu machen, „Flops zu vermeiden, statt Hits zu produzieren“. Das allerdings durchaus erfolgreich. Mit der Strategie, einfach immer nur das Beste zu geben, sei man immerhin Fußball-Weltmeister geworden. Die kaputte „Waldorf-Bundeswehr“ („Ohne Schießen!“), in der Dienstgrade getanzt würden, sei kein Zufall und stehe für einen „nachhaltigen Pazifismus“. So erweist sich der an „Comedy-Tourette“ leidende Knacki Deuser am Ende auch als humoristischer Utopist: Nicht jedes Problem auf der Welt könne schließlich mit einem Witz gelöst werden. Schön wäre es aber.


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