zuletzt aktualisiert vor

Amtsgericht Osnabrück Kalaschnikow-Scherz im Arbeitsamt bleibt ungestraft

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Das Amtsgericht findet nicht, dass der vom Arbeitsamt missverstandene Kalaschnikow-Scherz des Osnabrücker Schützenpräsidenten Uwe Reinink eine verurteilungswürdige Bedrohung darstellt.Das Amtsgericht findet nicht, dass der vom Arbeitsamt missverstandene Kalaschnikow-Scherz des Osnabrücker Schützenpräsidenten Uwe Reinink eine verurteilungswürdige Bedrohung darstellt.

Osnabrück. Humor siegt vor Gericht: Ein Osnabrücker Unternehmer und Schützenpräsident, der im Sommer einer Mitarbeiterin der Arbeitsagentur am Telefon mit einer flapsigen Bemerkung Angst einjagte und dafür großen Ärger mit der Polizei bekam, wird rechtlich nicht belangt. Das Verfahren wurde wegen geringer Schuld eingestellt.

Die Hauptverhandlung am Amtsgericht dauerte kaum eine halbe Stunde. Dann stand für Vorsitzende Richterin und Staatsanwaltschaft fest, dass es keine verurteilungswürdige Bedrohung war, was Uwe Reinink am 6. August 2014 in den Hörer geraunt hatte. Vielmehr falle sein Spruch in die Kategorie „saloppe Äußerung“. Das hat der Unternehmer jetzt schwarz auf weiß. Damit ist auch ein Strafbefehl über 2000 Euro vom Tisch, der noch im Oktober von der Ermittlungsbehörde beantragt worden war. Reininks Einspruch dagegen hatte die nun erfolgte Entscheidung erst nötig gemacht.

Schnell wie ein Maschinengewehr

Der Satz, um den alles kreiste, lautet so: „Wie bekomme ich das Formular am schnellsten zu Ihnen, damit es nicht wieder fünf Tage dauert? Soll ich es per Kalaschnikow vorbeibringen?“ Er fiel, weil Uwe Reinink bereits seit Tagen auf die Bearbeitung eines Antrags wartete, den er zur Einstellung eines Langzeitarbeitslosen braucht. Der Geschäftsführer der Firma UN Gerätebau hatte es lustig gemeint. Doch die Sachbearbeiterin konnte darüber gar nicht lachen. Im Gegenteil: Die Frau war so erschrocken, dass Vorgesetzte Alarm schlugen. Erst recht, als Google ihnen verriet: Reinink ist Präsident des Schützenvereins Natruper Tor. Und hat Zugang zu Waffen und Munition.

In die Falle gelockt?

Es folgte ein kinoreifer Polizeieinsatz am Morgen danach. Vor der Arbeitsagentur fingen mehrere Beamte den vermeintlichen Attentäter ab, als dieser mit seiner Vespa und Diabetikerbesteck, aber ohne Knarre, auf den Hof rollte. Reinink – von der Behörde hergebeten unter dem Vorwand, die Angelegenheit mit dem Antrag persönlich regeln zu wollen – fühlte sich in die Falle gelockt: Nach drei klärenden Telefonaten mit dem Teamleiter Arbeitgeber-Service am Vortag hatte er das Missverständnis für ausgeräumt und den Vorwurf der Bedrohung für erledigt gehalten. „Ich dachte, ich bin im falschen Film“, empörte Uwe Reinink sich damals öffentlich und verwahrte sich dagegen, behandelt zu werden „wie ein Schwerverbrecher“.

Gefahr gewittert

Eine Gefahr für Leib und Leben witternd, zweifelten damals weder Polizei noch Arbeitsamt an Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit ihres Vorgehens. Um sich selbst ein Bild zu machen, hörte das Amtsgericht nun etwa den Vorgesetzten der Sachbearbeiterin als Zeugen (die Frau selbst hatte ihre Ladung mit einer Krankmeldung quittiert). Eine Verurteilung kam danach nicht mehr infrage, der Angeklagte mit der Einstellung des Verfahrens vielmehr glimpflich davon. Denn das Gericht habe ihm durchaus zu verstehen gegeben, „dass er sich bei solchen Anrufen über entsprechende Sicherungsmaßnahmen nicht wundern dürfe“, wie ein Sprecher am Donnerstag ausführte.

Weiße Weste glatt gebügelt

Für Uwe Reinink bleibt die Frage im Raum, ob die Ordnungshüter nicht – wie möglicherweise er selbst – übers Ziel hinausgeschossen sind. Letztlich ist er froh über den Schlussstrich unter eine Sache, die ihn „viel Zeit und Nerven gekostet“ habe. Ihm sei zum Glück kein wirtschaftlicher Schaden entstanden, nur etwas Spott müsse er hin und wieder ertragen – besonders unter Schützenbrüdern. „Aber da stehe ich drüber.“ Mit der Gerichtsentscheidung behalte er nicht nur eine blütenweiße Weste. „Sie wurde sogar noch glatt gebügelt“, scherzt er.

Im Umgang mit Behörden will er sein Mundwerk gleichwohl zügeln. „So ein Spruch wie mit der Kalaschnikow kommt mir sicher nicht noch einmal über die Lippen!“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN