Zerrüttete Familienverhältnisse Totschlagsprozess: Sohn des Osnabrücker Arztes sagt aus

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Verbote, die eigenen Kinder zu sehen und die Beerdigung der Großmutter zu besuchen: Im Prozess gegen den Osnabrücker Frauenarzt kamen nun die  Familienangehörigen zu Wort. Foto: Renate SchmidtVerbote, die eigenen Kinder zu sehen und die Beerdigung der Großmutter zu besuchen: Im Prozess gegen den Osnabrücker Frauenarzt kamen nun die Familienangehörigen zu Wort. Foto: Renate Schmidt

temp Landshut/Osnabrück. Im Prozess gegen den Osnabrücker Frauenarzt, der wegen Totschlags an seiner Ehefrau angeklagt ist, sind der erste Ehemann des Opfers und der Sohn des Angeklagten aus dessen ersten Ehe vernommen worden. Zur Aufklärung der Tatumstände konnten die beiden zwar nichts beitragen. Ihre Angaben beleuchteten jedoch die komplizierten und teilweise völlig zerrütteten Familienverhältnisse des Ehepaars.

Der 65-jährige, erste Ehemann des Opfers war zuvor schon einmal verheiratet gewesen und hatte mit seiner ersten Frau einen Sohn. Seine zweite Frau – das jetzige Opfer – habe nach ihrer Heirat Anfang der 1980er Jahre von ihm verlangt, den Kontakt zu seinem Kind abzubrechen. Er habe schließlich ihrer Aufforderung entsprochen.

1986 und 1990 bekam das Ehepaar einen Sohn und eine Tochter. Bis zu ihrer Trennung Ende 1999 hätten sie ein gutes Familienleben und eine „angenehme und harmonische Ehe“ geführt, so der Zeuge. Er habe als Textilunternehmer gut verdient. Seiner zweiten Frau, mit der er in Gütertrennung lebte, übertrug er schon während der Ehe so einiges – etwa ihr gemeinsames Wohnhaus in Hasbergen und etwa 200000 Euro Bargeld. „Sie hat alles vereinnahmt, was sie kriegen konnte“, sagte der Zeuge vor Gericht.

Das Ende ihrer Ehe 1999 sei von ihm ausgegangen, so der Ex-Ehemann, weil er eine neue Frau kennengelernt habe. Kurze Zeit darauf ging auch seine Firma pleite und er musste Insolvenz anmelden. Heute lebe er von Hartz IV. Nach der Trennung habe ihm seine ehemalige Partnerin untersagt, seine Kinder weiterhin zu sehen. Später adoptierte der Angeklagte die Kinder. Der 26-jährige Sohn des Angeklagten berichtete, dass die Trennung seiner Eltern im Jahr 2004 für ihn und seine drei Schwestern völlig überraschend gekommen sei. Dass sein Vater drei Jahre später den Kontakt zu ihnen völlig abbrach, habe ihn tief verletzt: „Jeder, der vier Kinder in die Welt setzt, muss doch eine Verbundenheit mit ihnen empfinden.“ Er widersprach dabei der Darstellung des Angeklagten, dass seine Mutter ihn und seine Schwestern nicht mehr zum Vater lassen wollte. Im Gegenteil habe sie gewollt, dass weiterhin Kontakt bestehe.

Doch erst Anfang November 2013 habe er erstmals wieder einen Anruf von seinem Vater erhalten. Dieser habe ihm am Telefon verboten, an der Beerdigung seiner Großmutter in Osnabrück teilzunehmen. Das habe ihn sehr verletzt, so der Sohn. Denn im Gegensatz zur Darstellung des Angeklagten hätten er und seine Geschwister ein sehr gutes Verhältnis zu ihren Großeltern gehabt. Das Verbot sei für ihn eindeutig von der neuen Frau seines Vaters ausgegangen. Ein weiteres Telefonat mit seinem Vater habe mit „der allergrößten Enttäuschung“ für ihn geendet. Er habe in seinen Vater gebeten, „wieder eine normale Vater-Sohn-Beziehung aufzubauen“ – was dieser jedoch schroff abgelehnt habe.

Er glaube, so der Sohn, dass sein Vater sehr wohl Kontakt mit seinen vier leiblichen Kindern haben wollte – „doch er war gefangen durch eine andere Person“.


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