Prozess vor dem Landgericht Angeklagter in Osnabrück: „Wollte ihr Gesicht entstellen“

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Im Verfahren gegen einen 43-Jährigen, der seine Ehefrau bei einer Messerattacke schwer verletzt haben soll, äußerte sich der Angeklagte zum Tathergang. Symbolfoto: ArchivIm Verfahren gegen einen 43-Jährigen, der seine Ehefrau bei einer Messerattacke schwer verletzt haben soll, äußerte sich der Angeklagte zum Tathergang. Symbolfoto: Archiv

Osnabrück. Im Verfahren gegen einen 43-jährigen Mann aus Preußisch Oldendorf, der seine Ehefrau bei einer Messerattacke schwer verletzt haben soll, äußerte sich der Angeklagte am zweiten Verhandlungstag ausführlich zu seinem Lebenslauf, den aufgetretenen Eheproblemen und zum Tathergang. Dabei gestand er, seiner Ehefrau mit einem Obstmesser Verletzungen im Gesicht und am Hals zugefügt zu haben.

„Ja, ich wollte ihr Gesicht entstellen“, räumte er ein. Und er bestätigte auch die Angaben eines Zeugen, dass er seiner Frau auf Türkisch zugerufen habe: „Mit diesem Gesicht kannst du ja versuchen, neu zu heiraten!“ Ebenso bekannte er sich sinngemäß zu dem Ausruf: „Du wirst dich an mich erinnern, wenn du in den Spiegel schaust!“ Keinesfalls habe er aber vorgehabt, sie zu töten. Denn, im Gegenteil, er habe ja versucht, sie von ihrer Scheidungsabsicht abzubringen und wieder mit ihr und den drei Kindern zusammen zu leben.

Im weiteren Verfahren wird es darum gehen, ob dem Angeklagten zusätzlich zu der vorsätzlichen schweren Körperverletzung auch ein versuchter Totschlag nachzuweisen ist. Zumindest soll er, so der Staatsanwalt, billigend in Kauf genommen haben, dass die Frau die zugefügten Verletzungen nicht überleben würde. Laut Anklage ließ der Mann erst von der Frau ab, als er von einem Tatzeugen Schläge mit dem Eisenfuß eines Warndreiecks auf die Schulter bekam und andere herbeigeeilte Zeugen der Frau die Flucht ermöglichten. Das stellte der Angeklagte anders dar: Er habe von sich aus aufgehört. „Es war genug, es reichte“, sagte er.

Ein Obstmesser führe er immer bei sich. Das hänge damit zusammen, dass er als Diabetiker häufig zwischendurch einen Apfel oder eine Birne esse, die er zuvor abschäle. Keinesfalls liege der Tat ein Plan zugrunde, demzufolge er das Messer eingesteckt gehabt hätte. Er sei halt ausgerastet, als seine Frau ihm zum wiederholten Mal ein Gespräch verweigert habe.

Tatort Parkplatz

Zu der Tat kam es am Abend des 29. April 2014 auf dem Mitarbeiter-Parkplatz einer Lebensmittelfabrik in Bad Essen. Die Frau war auf dem Weg zur Nachtschicht und parkte ihren Toyota ein. Der Angeklagte setzte seinen VW Golf quer davor, sodass der Frau keine Fluchtmöglichkeit blieb, stieg aus und wollte nach seiner Aussage nur in Ruhe mit ihr reden. Doch dann habe die Frau sofort angefangen zu schreien, ihn auf Türkisch beleidigt und beschimpft, er sein kein richtiger Mann und habe keine Ehre, und da habe er die Beherrschung verloren.

Die Ehe stand unter keinem guten Stern. Der Angeklagte, der seit dem dritten Lebensjahr in Deutschland lebt, lernte die Frau bei einem Türkei-Aufenthalt kennen, als er 19 war. Im gleichen Jahr wurde die Ehe in der Türkei geschlossen. Erst im Jahr darauf wurde der jungen Frau der Zuzug nach Deutschland genehmigt. Der Mann brach daraufhin die Lehre zum Maschinenschlosser ab, weil er als Hilfsarbeiter in der gleichen Firma mehr Geld verdienen konnte, Geld, das er zur Familiengründung dringend brauchte, wie er sagte. Nach zwei Jahren, 1993, erhielt er dort eine betriebsbedingte Kündigung, hatte danach mit Unterbrechungen noch verschiedene Stellen als Hilfsarbeiter, erlitt einen Herzinfarkt und ist seitdem arbeitslos.

Beziehungsstress

Der Beziehungsstress entwickelte sich, als das Projekt einer eigenen Boutique nach nicht mal einem Jahr scheiterte und das Ehepaar auf einem Berg von Schulden saß. Der Mann brachte Familienschmuck der Frau gegen ihren Willen zum Pfandleiher, woraufhin sie ihm mit einer Strafanzeige drohte. Immer häufiger entfloh der Mann den Vorhaltungen seiner Frau und suchte Spielotheken auf, anfänglich nur, um dort mit Landsleuten Kaffee zu trinken und die Zeit zu vertreiben, später setzte er auch Geld ein. Dadurch verschlechterte sich die finanzielle Situation noch weiter, es verging kaum ein Tag ohne häuslichen Streit. Nach ersten tätlichen Übergriffen gegen die Frau erwirkte diese nach dem Gewaltschutzgesetz ein Hausverbot und Annäherungsverbot gegen ihren Mann, das er mehrfach durchbrach und deswegen bereits rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Die Verhandlung wird mit einer Zeugenvernehmung der Ehefrau fortgesetzt.


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