Interview mit Leiterin der Arbeitsagentur „3000 neue Stellen im nächsten Jahr“ in Stadt und Landkreis Osnabrück

Von Wilfried Hinrichs

Christiane Fern im Politik-Talk: Die Region ist sehr gut aufgestellt. Die 55-Jährige leitet seit August die Arbeitsagentur Osnabrück. Foto: Gert WestdörpChristiane Fern im Politik-Talk: Die Region ist sehr gut aufgestellt. Die 55-Jährige leitet seit August die Arbeitsagentur Osnabrück. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Der aktuellen Konjunkturdelle zum Trotz werden 2015 in Stadt und Landkreis Osnabrück 3000 neue Stellen entstehen. Diese Prognose wagt die neue Leiterin der Arbeitsagentur Osnabrück, Christiane Fern, im Politik-Talk auf os1.tv.

Frau Fern, Sie waren bis 2012 Leiterin der Arbeitsagentur in Leer und danach zwei Jahre in gleicher Funktion in Oberhausen. Wie unterscheiden sich die Arbeitsmärkte dort von der Situation hier in der Region Osnabrück?

Die Unterschiede zwischen Leer und Osnabrück sind nicht so gravierend wie zwischen Oberhausen und Osnabrück. Oberhausen ist von starker Arbeitslosigkeit geprägt mit Quoten von 12 bis 14 Prozent. Dagegen sind wir hier in Osnabrück mit derzeit fünf Prozent sehr, sehr gut aufgestellt. Der Arbeitsmarkt hier ist heterogener, und es gibt ein Gefälle zwischen Stadt und Landkreis Osnabrück, doch insgesamt – ich will nicht von paradiesischen Verhältnissen sprechen – aber man kann von einem sehr stabilen Arbeitsmarkt reden.

Im südlichen Landkreis liegt die Quote bei etwas über drei Prozent. Haben wir hier bayerische Verhältnisse, können wir von Vollbeschäftigung sprechen?

Im Landkreis sind die Daten so, dass wir von bayerischen Verhältnissen sprechen können. In der Stadt liegen wir bei 7,5 bis 7,9 Prozent und damit im bundesdeutschen Durchschnitt.

Schauen wir uns die Zahlen etwas genauer an: Im Oktober waren knapp 14000 Menschen ohne Job, darunter waren 31 Prozent Langzeitarbeitslose. Warum bekommen wir diese Manschen nicht in Arbeit?

Eine gute und schwere Frage, die ganz Deutschland beschäftigt. Wir haben zugleich steigende Beschäftigung und stagnierende Arbeitslosigkeit. Das bedeutet ja, dass die Langzeitarbeitslosen nicht von der guten Arbeitsmarktentwicklung profitieren. Fast 40 Prozent all unserer Kunden – sowohl im Rechtskreis SGB II, also in der Grundsicherung, wie auch in der Agentur – sind seit mehr als vier Jahren arbeitslos.

SGB II müssen wir erklären: Ich würde Hartz-IV-Empfänger sagen. Das ist doch richtig, oder?

Ja, das ist richtig. Wir sprechen natürlich von Grundsicherungsbezieher. Da gibt es in der Tat eine Verfestigung von Arbeitslosigkeit. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales will 2015 mit einem neuen Programm versuchen, die Langzeitarbeitslosigkeit aufzubrechen. Ein großer Baustein ist die Qualifizierung und Ausbildung. Die Hälfte der Langzeitarbeitslosen ist ohne Berufsausbildung, das betrifft junge Menschen, aber auch die älteren ab 50. Es ist das große Problem, dass die Wirtschaft diese Ungelernten nicht mehr beschäftigen kann, weil der technische Wandel höhere Anforderungen stellt. Fachkräfte werden benötigt, und deshalb müssen wir die Qualifizierung noch weiter verstärken.

Es gibt auch einen hohen Anteil von Älteren ab 55 unter den Langzeitarbeitslosen. Ist das schon die Brücke in die Rente?

Nein, nein. Generell hat sich die Beschäftigungsquote von Älteren auch in der Region Osnabrück sehr stark erhöht. Man merkt schon, dass die Arbeitgeber bereit sind, Ältere zu beschäftigen. Aber wir stellen auch fest, dass Ältere es in bestimmten Branchen schwer haben, mit den Anforderungen Schritt zu halten.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in der Region steigt seit Jahren und liegt mit knapp über 200000 auf Rekordhöhe. Jetzt kommen von überall her Meldungen über eine Konjunkturabschwächung. Müssen wir uns Sorgen um unsere Arbeitsplätze machen?

Nein, das sehe ich nicht. Die aktuellen Konjunkturentwicklungen wirken sich noch nicht aus, sie kommen ohnehin erst zeitversetzt bei uns an. Wir haben gerade erst in der vergangenen Woche mit Experten zusammengesessen und die Entwicklung in allen wichtigen Branchen analysiert. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir im Agenturbezirk Osnabrück im kommenden Jahr mit 3000 zusätzlichen Stellen rechnen können. Das stimmt doch hoffnungsfroh.

Das ganze Interview im Kabelfernsehen und jederzeit im Internet auf www.os1.tv

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