Ausgereifte Darbietung Osnabrücker Kammerchor St. Johann zeigt Stimme

Von Thomas Hitzemann


Osnabrück. Der Osnabrücker Kammerchor St. Johann hat die Johanniskirche bei der Jubiläumssoiree mit ihrer Stimme erfüllt.

Zehn Jahre sind für Autos ein höheres Alter. Kammerchöre scheinen dann erst ausgereift zu sein. Osnabrücks Kammerchor St. Johann unter Leitung von Christian Joppich beweist es: optisch ansprechend geordnet in Schwarz und Blau, akustisch eine Oase des Wohlklangs.

Die Jubiläumssoiree in der Johanniskirche vermittelt weniger einen Rückblick als vielmehr den Einblick in das Jahrhunderte umspannende Repertoire der Sängerschar. Auffallend sind eingangs und am Ende die Werke der ganz jungen Komponisten wie Jan Sandström, Frederik Sixten oder Erik Esenwald, alle zwischen 40 und 60 Jahre alt. Innerhalb der modernen Kirchenmusik verkörpern sie eine „Neue Behutsamkeit“ unter dem Motto: Rückkehr zur Tonalität bei Vermeidung von Pathos. Spiritualität drücken sie in geheimnisvoll schwebender Stimmführung aus. Bei „Sanctus“ oder „Stars“ treffen die Johannis-Choristen genau diesen Ton.

Tragende Säulen des Repertoires bleiben Claudio Monteverdi oder Johann Herrmann Schein. In „Laudate Jerusalem“ genießt der Chor alle Freiheit der Mehrstimmigkeit, die dennoch nach strengen Regeln gebaut ist. Bei „Nun danket alle Gott“ keimt erste Schwelldynamik auf.

Peter Cornelius behandelt den Chor wie ein Streichorchester. Harmonische Wendungen auf engstem Raum machen die Choristen glänzend mit. Voller Frische gestaltet Joppich „Exultate Deo“ von Francis Poulenc. Ein intimes Kleinod ist Knut Nystedts „Peace I leave with you“. Den expressiven Höhepunkt des Konzerts bilden zweifellos „Kyrie“ und „ Gloria“ aus der Messe für zwei vierstimmige Chöre von Frank Martin. An einigen Stellen füllt der Kammerchor stimmlich den gesamten Kirchraum von St. Johann aus.