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Passwörter nicht geschützt Osnabrücker loggt sich in Webcams aus Region ein

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Alex greift im Netz auf ungesicherte Webcams zu. Auf dem Foto kann man die Kamera sehen, die auf den Marktplatz in Osnabrück gerichtet ist. Diese Webcam kann man allerdings ganz legal ansteuern – über die Homepage der Stadt Osnabrück. Symbolbild: Sven KienscherfAlex greift im Netz auf ungesicherte Webcams zu. Auf dem Foto kann man die Kamera sehen, die auf den Marktplatz in Osnabrück gerichtet ist. Diese Webcam kann man allerdings ganz legal ansteuern – über die Homepage der Stadt Osnabrück. Symbolbild: Sven Kienscherf

Osnabrück. Mit einer relativ einfachen Methode loggt sich Alex aus Osnabrück regelmäßige in fremde Webcams und Router aus der Umgebung ein. Dafür benutzt er IP-Adressen eines lokalen Anbieters. Dass das so einfach geht, sei dem sorglosen Umgang mit Passwörtern zu verdanken, berichtet der Anfang 30-jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.

Zwar beschäftigt sich Alex seit er 14 Jahre alt ist mit Computern und seit 10 Jahren intensiv mit dem alternativen Betriebssystem Linux – ein ausgewiesener Computerspezialist sei er aber nicht, erzählt er.

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„Was ich mache, kann im Prinzip jeder“, sagt Alex, dessen Identität der Redaktion bekannt ist. Mit Linux habe er sich ein Programm geschrieben, das innerhalb von Minuten hunderte IP-Adressen überprüfen kann. Er habe sich auf die IP-Adressen von Osnatel spezialisiert. Grundsätzlich funktioniere das mit jedem anderen Anbieter auch. Die entsprechenden IP-Adressen fände er im Netz. Die Seiten, die nicht verschlüsselt seien, rufe er über den Browser auf: „Wie eine Homepage.“

So gelange er auf die Benutzeroberfläche von Routern , Solaranlagen und Webcams, die beispielsweise Geschäftsräume und Privatwohnungen überwachen sollen.

Möglich sei das ohnehin nur, weil immer noch Menschen die Standard-Passwörter nicht ändern, die mit den jeweiligen Geräten ausgeliefert werden. Nicht alle Hersteller codierten ihre Geräte mit individuellen Zugangsdaten . Alex: „Die Standard-Passwörter findet man leicht im Internet.“

Mit seinem Verfahren habe er es bereits geschafft, einen Blick durch die Webcam eines Sonnenstudios und anderer Geschäfte zu werfen. Vor ein paar Tagen sei er via Kamera, die in einem Privathaus installiert war, bei jemandem im Wohnzimmer gelandet. „Da saß ein Mann auf seinem Sofa“, berichtet er. Theoretisch könne er über die Benutzeroberfläche die Kameras steuern. „Bei Routern könnte ich sämtliche Einstellungen verändern.“

Besitzer aufmerksam machen

Sein größter Coup sei der Zugriff auf ein SMS-Alarmsystem der Feuerwehr gewesen, mit dem unter anderem Alarmdepeschen verschickt werden. Ein andermal habe er gesehen, mit wie viel Geld eine Spielhalle ihre Automaten auffüllt. Sein Wissen behält Alex aber nicht für sich.

„Wenn ich die Besitzer der Geräte ausfindig machen kann, mache ich sie darauf aufmerksam, dass sie ihre Geräte verschlüsseln sollten.“ Manche bedanken sich, andere ändern einfach schnell den Zugangscode, so Alex. Abschließend hat er einen Rat: „Man sollte wirklich für alle Geräte, mit denen man ins Internet geht, ein sicheres Passwort anlegen.“

Auf die Webcams von Computern und Laptops könne er mit seiner Methode aber nicht zugreifen, berichtet Alex. „Dafür muss man sich Zugang zum Rechner verschaffen.“ Das wolle und könne er gar nicht. Alex: „ Wenn ich Windows benutze , würde ich die Webcam aber eh immer zukleben.“

Zugreifen auf Webcams ist illegal

Osnatel weist darauf hin, das die beschriebenen Szenarien unabhängig vom Anbieter sind. Es handele sich um ein grundsätzliches Problem, sagt Pressesprecher Carsten Höfinghoff. „Eine große Zahl von Anwendern verbindet unsichere Geräte mit dem Internet.“ Die Verantwortung für die sichere Konfiguration liege allerdings nicht beim Provider, sondern beim Betreiber des Gerätes.

Legal ist es übrigens nicht, wenn man sich in fremde Webcams einloggt, auch wenn diese nur unzureichend geschützt sind. Das sagt der Kölner It-Rechtsexperte Christian Solmecke . „Durch das Hacken der Webcam verletzt der Täter den höchstpersönlichen Lebensbereich der betroffenen Personen.“ Es drohen Geld oder sogar Freiheitsstrafe.

Vor Kurzem haben verschiedene Technikportale über eine US-Webseite berichtet, die die Bilder von tausenden Webcams ins Netz stellt. Angeblich wollen die Betreiber damit auf das mangelnde Sicherheitsbewusstsein der Betroffenen hinweisen.


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