Theater am Domhof Institut für Musik zeigt Stephen Kings „Carrie“

Von Ullrich Schellhaas

Nach dem Attentat mit Schweineblut auf dem Highschool-Abschlussball wird Carrie grausam Rache nehmen. Foto: IfMNach dem Attentat mit Schweineblut auf dem Highschool-Abschlussball wird Carrie grausam Rache nehmen. Foto: IfM

Osnabrück. Mann oh Mann. Vor schon 31 Jahren veröffentlichte ein damals unbekannter Schriftsteller namens Stephen King einen Horrorthriller namens „Carrie“. Das Protokoll eines übernatürlichen Amoklaufs fasziniert auch heute noch. Das belegte die Musicalfassung des Werks, das das Institut für Musik (IfM) der Hochschule Osnabrück am Theater Osnabrück zeigt.

Die inzwischen fast schon klassische Geschichte vom Mädchen Carrie, das von seiner fanatisch-religiösen Mutter misshandelt wird und das dafür und für Demütigungen, die Mitschüler ihr zufügen, grausam Rache nimmt, kennt fast jeder – zumindest dem Namen nach. Und die Wandlung von der grauen Maus, die nach einem Streich mit Schweineblut dank telekinetischen Fähigkeiten zur rasenden Furie wird, ist irgendwie auch Gemeingut.

Das Musical, entstanden 1988 und 2012 überarbeitet, legt einen großen Schwerpunkt auf das Drama des Teenagers, der so gequält wird, dass er eines derartigen Amoklaufs und Massenmords fähig ist. Michael Gore komponierte dafür eine gefällig-unauffällige Popmusik, die insbesondere bei den Duetten von Carrie und ihrer fanatischen Mutter echte Gänsehautmomente garantiert, aber trotzdem nur schwer im Ohr bleibt. Die Regie zu den Chroniken über die Gräueltaten liegt in den Händen von Gesche Tebbenhoff und Sascha Wienhausen. Die Schauspielerin und der Leiter des Studienprofils setzen die Geschichte konsequent und ohne große Umwege um. Wenige Kulissen, Licht und einige Versatzstücke genügen, um eine solide und stringente Carrie-Chronik auf die Bühnenbretter zu stellen. Auch magische Momente, wenn etwa Carrie ihre Fähigkeiten entdeckt und ein Buch zum Leben erweckt, gelingen den Routiniers.

Unterstützt wird er vom Musikalischen Leiter Martin Wessels-Behrens, der das Orchester ohne Aufregung durch die Partitur steuert, das an manchen Sitzplätzen im Theater aber katastrophal schlecht ausgesteuert ist. Auch die Studenten des IfM tragen zum Gelingen des Abends bei. Jeder einzelne hat persönliche Stärken und Schwächen, aber insgesamt liefern sie alle ohne große Patzer ab. Sie erschaffen die Atmosphäre einer Highschool mit seiner Hackordnung ebenso glaubwürdig wie die bigotte Kleinfamilie, in der die Protagonistin aufwächst. „Carrie“, das 1988 mit legendären vier Aufführungen am Broadway floppte, gilt auch gerade deshalb bei Musicalfans als echter Geheimtipp. Da bis dato keine deutschsprachige Fassung des Stücks vorlag, haben Martin Wessels-Behrens, Judith Behrens und Student Timothy Roller diese angenehm gefällig erstellt.

Weitere Aufführung: am Mittwoch, 3. Dezember, 19.30 Uhr, im Theater Osnabrück. Tel. 0541/7600076