Einsatz für sozialen Frieden gefordert Sozialkonferenz verabschiedet „Osnabrücker Ermutigung“

Von Beate Nakamura

Die meisten Teilnehmer der 25. Osnabrücker Sozialkonferenz unterstützen die „Osnabrücker Ermutigung“. Foto: Swaantje HehmannDie meisten Teilnehmer der 25. Osnabrücker Sozialkonferenz unterstützen die „Osnabrücker Ermutigung“. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Ist es eine Frage des Mutes, der Motivation oder des Durchhaltevermögens, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen? Die 25. Osnabrücker Sozialkonferenz (OSK) zeigte, dass für ein erfolgreiches Engagement alles zusammenkommen muss und setzte mit der „Osnabrücker Ermutigung“ ein Signal für kontinuierlichen Einsatz in sozialen Fragen.

Armut sei kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen, so der Aufruf. Eine, die sich mit Zivilcourage und Durchhaltevermögen gegen „Ungerechtigkeiten im Hartz-IV-System“ zu Wehr setzt, ist Inge Hannemann, freigesetzte Mitarbeiterin des Job-Centers Hamburg-Altona. Im Petitionsausschuss des Bundestages kritisierte sie die Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger und ermutigte mit ihrem Beispiel auch andere zum Engagement.

Das möchte auch Klaus-Dieter Gleitze, aktiv in der Landesarmutskonferenz Niedersachsen. Ihm gelingt es immer wieder mit kreativen Ideen, wie dem Abriss einer symbolischen „Armuts-Reichtums-Mauer“ anlässlich des Mauerfall-Jubiläums, Menschen für soziale Fragen zu interessieren.

Doch der Weg zur Umsetzung sozialpolitischer Forderungen ist oft lang und beschwerlich. Immer noch seien die zentralen Verteilungsprobleme nicht gelöst, so die OSK-Organisatoren. Das zeigte auch ein Rückblick auf fünf zentrale Themenfelder, denen sich die OSK in den vergangenen Jahren wiederholt gewidmet hat: eine kontinuierliche Armuts- und Reichtumsberichterstattung für Osnabrück, Kinderarmut, Hartz IV, Altersarmut und bezahlbarer Wohnraum. Fortschritte in diesen Themenfeldern seien zwar erkennbar, aber unzureichend.

Damit das nicht so bleibt, wollte die Jubiläums-OSK mit der „Osnabrücker Ermutigung“ ein Signal setzen, sich weiter einzusetzen und auch solche Menschen zu interessieren, die sich bislang nicht engagieren: „Trauen Sie sich, in Gesprächen in der Familie, mit Freunden oder Nachbarn. Engagieren Sie sich in Initiativen, Verbänden, Kirchen, Parteien oder Gewerkschaften. Überprüfen Sie Ihre Haltung, wenn Sie politische Verantwortung tragen. Haben Sie den Mut, auch einmal gegen den Strom zu schwimmen.“ Als Stadt des Westfälischen Friedens habe Osnabrück eine Verpflichtung, sich auch für den sozialen Frieden einzusetzen. Die Armutsbekämpfung vor Ort sei dafür ein geeigneter Ansatz, betont die „Osnabrücker Ermutigung“.

Die meisten der 100 OSK-Teilnehmer stimmten dem vorgelegten Text zu. „Doch diese OSK ist erst der Anfang“, sagte Manfred Flore, einer der Initiatoren. „In den kommenden Wochen werden wir versuchen, weitere prominente Unterzeichner aber auch Institutionen und Verbände mit ins Boot zu holen.“