Landkreis Osnabrück: Weniger Schüler Ickerbachschule in Belm vor der Schließung

Von Jean-Charles Fays


Osnabrück. Der Landkreis hat der Politik vorgeschlagen, die Ickerbachschule in Belm zum Sommer 2015 zu schließen. „Die Schülerzahlen haben sich so verändert, dass ein pädagogisch sinnvoller Unterricht nicht mehr machbar ist“, sagte Landkreis-Sprecher Henning Müller-Detert. Die Zahl der Schüler für die sieben Jahrgänge sei von 61 auf aktuell 39 gesunken. Im kommenden Schuljahr wäre die Förderschule laut Landkreis-Schätzung nur noch von 30 Schülern besucht worden.

Da seit August 2013 in Niedersachsen alle Kinder mit Förderbedarf Lernen in Regelgrundschulen eingeschult werden, läuft der Primarbereich ohnehin jahrgangsweise aus. Die Entscheidung des Bildungsausschusses am kommenden Dienstag sowie des Kreistages am 8. Dezember steht zwar noch aus, doch die Schließung der Schule gilt als sicher. In einer Gesamtkonferenz am Montagabend sollten die Pläne zur Schließung in der Ickerbachschule vorgestellt werden.

Müller-Detert erläuterte, dass die Kinder, die keine Regelschule besuchen wollen oder können, auf andere Förderschulen im Landkreis verteilt werden sollen. „Die Kinder aus Wallenhorst sollen nach Bramsche, die Belmer Schüler nach Bohmte und die Bissendorfer nach Melle.“ Der Landkreis will dafür eine individuelle Beratung von Eltern und Schülern anbieten. Die Schülerbeförderung soll auch künftig gewährleistet sein.

Der Vorsitzende der CDU/FDP/UWG-Gruppe, Martin Bäumer, kommentierte: „Das ist eine logische Entwicklung. Wenn man Inklusion lebt, dann ist das Potenzial zur Entwicklung solch einer Schule deutlich kleiner.“ Der Staat könne es sich nicht leisten, zwei Systeme vorzuhalten. „Der Vorschlag der Kreisverwaltung, diese Schule aufzuheben, macht Sinn und ist konsequent.“ Es solle keiner sagen, er hätte nicht damit gerechnet.

Überrascht schien auch nicht der Vorsitzende der SPD/UWG-Gruppe im Kreistag, Rainer Spiering: „Der Landkreis kommt seiner Aufgabe nach, die Schulen regelmäßig zu überprüfen. Mir erscheint das Konzept schlüssig.“ Die Förderschüler mit dem Schwerpunkt Lernen müssten nun im Sinne der Inklusion auf die Regelschulen verteilt werden und die anderen auf die Förderschulen im Landkreis.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Ursula Thöle-Ehlhardt, bedauerte, „dass die Entscheidung hinter verschlossenen Türen stattfand. Das hätte besser in die Schulstruktur eingebunden werden müssen.“ Wenn man diese langfristig aufbauen wolle, dann müsse man die Förderschulen miteinbeziehen. „Das geht nicht von heute auf morgen, denn es betrifft die Schüler, die ein sicheres Umfeld am meisten brauchen.“

Der Kreistagsabgeordnete der Linken, Andreas Maurer, begrüßt den Vorschlag der Verwaltung und sagt: „Selbst die beste Sonderschule sondert aus.“ Wenn die UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt werden soll, dann sei die Schließung nur konsequent. Die betroffenen Fachlehrer müssten nun in den Regelschulen die Kinder mit Förderbedarf unterrichten.

Der Belmer Bürgermeister Viktor Hermeler konstatierte: „Die Schließung kommt schneller als geplant. Das ist schade, aber es ist nachvollziehbar, dass der Schulträger diese Schule bei nur 30 Schülern schließen will.“ Die 18 Belmer Schüler, die jetzt gemeinsam unterrichtet werden, müssten künftig auch in der Astrid-Lindgren-Förderschule in Bohmte gemeinsam unterrichtet werden.

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